Objekt des Monats - November 2009

NGC 404 - Mirachs Geist



NGC404

Die Galaxie NGC 404 in der Nähe von Beta Andromedae (Mirach)
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



NGC 404 im Sternbild Andromeda wurde am 13. September 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt, der ihn als ziemlich hellen, großen, runden und zur Mitte hin heller werdenden Nebel, im Feld von Beta Andromedae, beschrieb.

Bei dem von Herschel entdeckten Nebel handelt es sich um eine Zwerggalaxie des Typs S0 mit einem Durchmesser von ca. 11.000 Lichtjahren. Sie befindet sich in einer Entfernung zwischen 5 und 10 Millionen Lichtjahren und deshalb - nimmt man die kürzere Entfernung als Richtwert - knapp außerhalb der Lokalen Gruppe. Die Galaxie ist ein Mitglied der lockeren Galaxiengruppe LGG 11 obwohl die Zugehörigkeit, durch ihre relativ große Distanz von 3,3 Millionen Lichtjahren zur nächsten Nachbargalaxie, eher unwahrscheinlich erscheint. Des Weiteren wird sie zur Klasse der Seyfert-3-Galaxie gezählt, die in ihren Kernen schwache Aktivitäten in bestimmten Spektralbereichen zeigen.
Obwohl Rote Riesen und AGB-Sterne in ihrer Scheibe und im Kerngebiet dominieren und jüngere, blaue Sterne eher selten auftreten, enthält sie doch eine beträchtliche Menge an interstellarem Gas. So erscheint im ultraviolettem Licht ein Ring aus jungen Sternen und Wasserstoffgas, das als Ergebnis einer Kollision mit einer kleinen Nachbargalaxie vor 900 Millionen Jahren interpretiert wird.

Die meisten Sternfreunde stoßen sicherlich eher zufällig auf diese kleine Galaxie, die sich nur 7 Bogenminuten nordwestlich vom 2,1 mag hellen Stern Mirach (Beta Andromedae) befindet und deshalb eher wie eine Reflexion des Sterns im Okular erscheint. Auf Grund ihres diffusen und runden Aussehends könnte man sie fälschlicherweise auch für einen Kometen halten. Durch ihre große Nähe zu Mirach, wird NGC 404 beiläufig auch als Mirachs Geist (eng. Mirach's ghost) bezeichnet.

Theoretisch sollte NGC 404 unter guten Bedingungen schon in einem kleinen Refraktor von 60 mm Durchmesser sichtbar sein. Leider stört Beta And die Beobachtung dieser recht flächenhellen Galaxie ganz erheblich, so dass mindestens ein Teleskop von 4 Zoll Öffnung erforderlich ist, um die Galaxie als diffuses rundes Nebelfleckchen sicher zu identifizieren. Im 8 Zöller ist sie aber unübersehbar und erscheint hell und rund, mit einem etwas hellerem Zentrum, ähnlich wie sie Herschel 1784 beschrieb.

Das Aufsuchen bereitet, wie schon weiter oben erwähnt, keinerlei Schwierigkeiten. Man stellt Mirach einfach in die Mitte des Suchers oder Telrads ein. Dann sollte mit mittlerer Vergrößerung in unmittelbarer Nähe des Sterns die 10,3 mag helle Galaxie erscheinen. Allerdings stört Mirach die visuelle und photographische Beobachtung ganz erheblich. So sollte man versuchen, mit höherer Vergrößerung den Stern außerhalb des Gesichtsfeldes zu platzieren. Andererseits bietet Mirach auch einen schönen Kontrast zur viele Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie.

NGC 404 kulminiert Mitte November gegen 21:30 Uhr, in einer Höhe von 74° über dem Südhorizont.



Map

Aufsuchkarte für NGC 404 in der Andromeda (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (80 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: NGC 404 / UGC 718 / PGC 4126 / MCG 6-3-18 / ZWG 520.20
Eigenname: Mirachs Geist / Mirach's ghost
Objekttyp: Galaxie (Galaxy)
Sternbild: Andromeda (Andromeda, And)
RA (J2000.0): 01h 09m 26.9s
Dec (J2000.0): +35° 43' 06"
B Helligkeit: 11.0
V Helligkeit: 10.0
Flächenhelligkeit: 12.8
Größe: 3.5'x3.5'
Positionswinkel: 171°
Klassifikation: E-S0
Entfernung: 5 - 10 Millionen Lj

Beschreibung: pB,cL,R,gbM
Notizen: H II 224;UGC 718;Beta AND sf 6'

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