Objekt des Monats - Januar 2022

Affenkopfnebel - NGC 2174/2175



NGC2264 & NGC2175

Der Affenkopfnebel NGC 2174/2175 im Sternbild Orion
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Der Affenkopfnebel NGC 2174/NGC2175 ist ein Emissionsnebel mit eingebetteten Sternhaufen im Sternbild Orion und befindet sich in der Nähe der Grenze zum Sternbild Zwillinge. Dieser wurde am 6. Februar 1877 von dem französischen Astronomen Édouard Jean-Marie Stephan am Observatorium in Marseille entdeckt. Er beschrieb ihn als sehr schwachen Nebel, zwischen drei sehr schwachen Sternen. Der offene Sternhaufen wurde wahrscheinlich bereits von dem italienischen Naturforscher Giovanni Battista Hodierna vor dem Jahr 1654 beobachtet, was jedoch nicht gesichert ist. Aus diesem Grund gilt der deutsche Astronom Karl Christian Bruhns als Entdecker des Sternhaufens, der das Objekt im Jahr 1857 mit Hilfe eines kleinen Kometensuchers fand. Die Verwendung der Bezeichnungen NGC 2174 und NGC 2175 für den Nebel ist nicht eindeutig und bezieht sich, je nach Literatur, auf Teile des Nebels oder den Sternhaufen selber. Den Eigennahmen Affenkopfnebel (Monkey Head Nebula) erhielt das Objekt aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Makaken auf Fotografien. Der gesamte Nebelkomplex ist in einem größeren diffusen Nebel eingebettet, der im Sharpless-Katalog als Sh 2-252 bezeichnet wird.

Der Affenkopfnebel ist ein Ort intensiver Sternentstehung und besitzt eine scheinbare Helligkeit von 6,9 Größenklassen. Er ist unter einem dunklen Himmel bereits ohne Filter in kleineren Instrumenten beobachtbar. Der Nebel befindet sich 6.350 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat einen scheinbaren Durchmesser von 40 x 30 Bogenminuten. Damit erscheint er uns am Himmel etwa so groß wie der Vollmond. Seine wahre Ausdehnung beträgt ungefähr 75 Lichtjahre. Damit ist er ungefähr doppelt so groß wie der berühmte Orionnebel (Messier 42) im selben Sternbild! Der Affenkopfnebel umgibt einen jungen, offenen Sternhaufen, der im neuen Gesamtkatalog der Sternhaufen und Nebel die Bezeichnung NGC 2175 trägt. Dieser besitzt eine Helligkeit von 6,8 mag. Rund 60 Sterne konzentrieren sich recht locker auf ein Gebiet von 18 Bogenminuten Durchmesser. Die Sterne des Sternhaufens sind noch in das Gas eingebettet, aus dem sie vor weniger als 10 Millionen Jahren entstanden sind. Diese Sterne senden intensive ultraviolette Strahlung aus, die das ihn umgebene Wasserstoffgas ionisiert und zum Leuchten anregen. Sein hellster Stern ist HD 42088, ein blauweißer Riese der Spektralklasse O6.5, der eine scheinbare Helligkeit von 7,55 Größenklassen besitzt. Mit einer Leuchtkraft von 8.200 Sonnen und einer Temperatur von 40.000 Kelvin, ist der Stern der Hauptverursacher für die Ionisation im Nebel. Das Licht der jungen, massereichen Sterne zerstreuen die Wolke, so dass sie in den nächsten Millionen Jahren verdampfen und in den umgebenden Weltraum verschwinden wird. Der Affenkopfnebel besitzt auch einen Reflexionsanteil, der allerdings durch die H-II Emission fast vollständig unterdrückt wird.

Der Sternhaufen NGC 2175 ist bereits mit Hilfe eines 10x50 Feldstechers in rund ein Dutzend Sterne auflösbar. Er befindet sich in einem reichen Sternenfeld im nördlichen Teil des Orions. Und auch der Nebel NGC 2174 ist mit dem Fernglas unter einem dunklen Landhimmel andeutungsweise bereits sichtbar. Vor allem die hellen Ränder des Affenkopfnebels stechen hier heraus. Mit 3 bis 4 Zoll Öffnung kann man mit Hilfe eines UHC-Filter ein schwaches Leuchten um den Sternhaufen herum, der aus vielen schwachen Sterne besteht, wahrnehmen. Ein heller Stern der 7. Größenklasse befindet sich direkt im Zentrum. Mit 6 bis 8 Zoll und einem O-III-Filter erscheint der Nebel unregelmäßig hell und nahezu rund. Es lassen sich bereits mehre unterschiedliche Details erkennen. Die Helligkeit des Nebels nimmt zum Zentrum hin zu. Bei mittleren Vergrößerungen sind vor allem die helleren Nebelteile im Süden und im Westteil von NGC 2174 deutlich zu erkennen. Und auch die Ränder, vor allem im nördlichen Teil von NGC 2174, erscheinen unregelmäßig und laufen diffus in den Hintergrund über. Der südwestliche Teil ist etwas lichtschwächer. Im Nebel selber sind ebenfalls einige dunkle Stellen zu erkennen. Mit 10 bis 12 Zoll Öffnung sticht vor allem die markante dunkle Einbuchtung im westlichen Teil des Nebels heraus. Eine auffällige Gruppe aus Sternen der 8. bis 10. Größenklasse und kurze Sternketten liegen am nordöstlichen Rand. Der südliche Teil enthält einen Ring aus Sternen. Das Zentrum des Sternenhaufens erscheint dagegen recht sternenleer. Knapp ein Grad nördlich von NGC 2174 befindet sich noch die kleine H-II Region Sharpless 247, die allerdings nur auf lang belichteten Fotos sichtbar ist.

NGC 2174/2175 befindet sich nur 4 Grad südlich des offenen Sternhaufen Messier 35 und rund 2,2 Grad südwestlich des Sterns Propus (Eta Gemiorum, 2,2 mag) im Sternbild Zwillinge und an der nördlichen Grenze des Himmelsjägers Orion. Um den Affenkopfnebel aufzusuchen, stellen wir M 35 in die Suchermitte ein und schwenken das Teleskop 3,8 Grad nach Süden. Nun sollte der Nebel im Gesichtsfeld des Fernrohrs, knapp 1 ½ Grad nordöstlich von Chi2 Orionis (4,6 mag), erscheinen.



Map

Aufsuchkarte für den Affenkopfnebel im Orion (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (169 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: NGC 2174 / NGC 2175 / OCL 476 / LBN 854 / CED 67A
Eigenname: Affenkopfnebel, Monkey Head Nebula
Objekttyp: Offener Sternhaufen + Em-Nebel (Open Cluster + Bright Neb.)
Sternbild: Orion (Orion, Ori)
RA (J2000.0): 06h 09m 38.6s
Dec (J2000.0): +20° 29' 18"
V Helligkeit: 6.8
Größe: 40.0' x 30.0'
Klassifikation: IV 3 p n
Anzahl der Sterne: 60
Hellster Stern: 7.6
Entfernung: 6.400 Lj

Beschreibung: *8 in neb; eF,bet 3 vF *
Notizen: In Gem OB1?; Knot in N 2175; w IC 2159 sf; contains cluster

Millennium Star Atlas: Charts 179-180 (Vol I)
Sky Atlas 2000.0: Chart 5
Uranometria 2000: Chart 137, Vol 1
Uranometria 2000 2nd Ed.: Chart 76