Objekt des Monats - April 2025

Messier 89 in der Jungfrau



M89

Die Galaxie Messier 89 im Sternbild Jungfrau
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Messier 89 (NGC 4552) ist eine helle elliptische Galaxie im Sternbild Jungfrau (Virgo). Sie wurde am 18. März 1781 vom französischen Astronomen Charles Messier zusammen mit sieben weiteren Galaxien in der Region Coma/Virgo und dem Kugelsternhaufen Messier 92 im Sternbild Herkules entdeckt. Er beschrieb sie als sternlosen Nebel mit geringer Leuchtkraft, der mit seinem Instrument nur schwer zu erkennen war. M 89 ist die einzige Galaxie in Messiers berühmtem Katalog, die eine nahezu perfekte Kreisform aufweist. Der britische Astronom John Herschel katalogisierte M 89 als h 1348 und nahm sie später als GC 3097 in seinen Hauptkatalog auf. Er beschrieb das Objekt als „ziemlich hell; ziemlich klein; rund; zur Mitte hin allmählich viel heller werdend“.

M 89 ist eine elliptische Galaxie vom Hubble-Typ E0, die mit einer Helligkeit von 9,9 mag und einer scheinbaren Größe von 5,1 x 4,7 Bogenminuten bereits in kleinen bis mittelgroßen Teleskopen beobachtet werden kann. Die Galaxie gehört zum Virgo-Galaxienhaufen und ist 54 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Sie hat einen Durchmesser von 80.000 Lichtjahren und eine Masse von 100 Milliarden Sonnen. Ob Messier 89 tatsächlich perfekt kugelförmig ist oder ob es sich um einen abgeflachten oder gestreckten Sphäroiden handelt, dessen Rotationsachse zu uns zeigt, ist noch Gegenstand der Forschung. In den 1990er Jahren wurde eine ausgedehnte Hülle aus Gas und Staub mit einem Radius von 150.000 Lichtjahren entdeckt. Dies war die erste Galaxie, bei der eine solche Struktur nachgewiesen wurde. Außerdem wurde eine Art Jet aus erhitzten Teilchen entdeckt, der sich bis zu 100.000 Lichtjahre oder 8 Bogenminuten von der Galaxie entfernt erstreckt. Die Astronomen vermuten, dass sich diese Struktur gebildet hat, als die Galaxie noch als Quasar oder Radiogalaxie aktiv war, oder dass es sich um eine kleine Zwerggalaxie handelt, die durch Gezeitenkräfte auseinandergerissen wurde. Das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie besitzt eine Masse von einer Milliarde Sonnenmassen.

Das Röntgenobservatorium Chandra hat im Zentrum von Messier 89 zwei ringförmige Strukturen aus heißem Gas entdeckt. Sie sind vermutlich durch einen Ausbruch vor ein bis zwei Millionen Jahren und durch das Herausreißen von Gas, das so genannte „Ram-Pressure Stripping“, aus dem heißen Intracluster-Medium des Virgo-Galaxienhaufens entstanden. Im Vergleich zu den anderen Mitgliedern des Haufens bewegt sich Messier 89 von uns weg, während sich beispielsweise ihr Nachbar M 90 mit ähnlicher Geschwindigkeit auf uns zu bewegt. Dies lässt sich durch die Dynamik des sehr massereichen Virgo-Haufens erklären. Messier 89 zeigt auch ein komplexes System von konzentrischen Hüllen und Fahnen, die die Galaxie umgeben, was darauf hindeutet, dass die Galaxie in der Vergangenheit einen oder mehrere große Verschmelzungsprozesse mit anderen Galaxien durchlaufen hat. Daher ist Messier 89, so wie wir sie heute kennen, wahrscheinlich erst vor relativ kurzer Zeit entstanden. Die Zahl der Kugelsternhaufen wurde 2006 auf etwa 2.000 innerhalb eines Radius von 25 Bogenminuten um die Galaxie geschätzt. Im Vergleich dazu hat unsere Milchstraße nur 150 bis 200 Kugelsternhaufen. Darüber hinaus ist bekannt, dass es sich bei Messier 89 um eine aktive LINER-Galaxie handelt.

Unter einem dunklen irdischen Himmel kann man M 89 bereits in einem lichtstarken 10x70 Feldstecher als unscharfen Stern der 10. Größenklasse erkennen. In kleinen Teleskopen ist die Galaxie erstaunlich anspruchsvoll. Bei 3 bis 4-Zoll Öffnung erscheint sie fast kreisrund, relativ klein und lichtschwach, mit einem helleren Zentrum. Sie verträgt 50-fache Vergrößerung sehr gut. Dieses Erscheinungsbild ändert sich auch bei wesentlich größeren Öffnungen nicht. In 6 bis 8-Zoll Teleskopen erscheint sie ebenfalls nur als 3 Bogenminuten großer, relativ schwacher und kreisrunder Nebel ohne Struktur, mit einem flächig erscheinenden Zentralbereich. Die Helligkeit der Koma nimmt zum Zentrum hin nur allmählich zu. Im Zentrum ist ein kleiner stellarer Kern zu erkennen. In größeren Teleskopen sieht die Galaxie eher wie ein unaufgelöster Kugelsternhaufen aus, der mit drei hellen Vordergrundsternen eine leicht gekrümmte Kette bildet.

Messier 89 befindet sich knapp südlich der Grenze zwischen Virgo und Coma Berenices, etwa auf 3/5 der Strecke zwischen den Sternen Vindemiatrix (Epsilon Vir, 2,8 mag) und Denebola (Beta Leo, 2,1 mag). Epsilon Virginis bildet mit den 6 mag hellen Sternen 34 und 41 Vir ein lang gestrecktes stumpfwinkliges Dreieck. Die Galaxie befindet sich etwa 2 Grad westlich des Sterns Rho Vir (4,9 mag) und bildet mit 41 Vir ein fast gleichseitiges Dreieck. Stellt man nun 41 Vir in die Mitte des Suchers ein und schwenkt das Teleskop etwa 3 Grad nach Westen, so sollte M 89 zusammen mit der etwas helleren Spiralgalaxie M 90, die sich ¾ Grad nordöstlich von M 89 befindet, im Gesichtsfeld erscheinen. Ein Grad südöstlich von M 89 befindet sich die hübsche Balkenspiralgalaxie M 58, zusammen mit der elliptischen Riesengalaxie M 87, die sich etwa ein Grad westlich von M 89 befindet.

Die Galaxie lässt sich am besten im Frühling beobachten, wenn das Sternbild Jungfrau hoch am Himmel steht. Die Galaxie kulminiert Mitte April gegen Mitternacht in einer Höhe von 50 Grad über dem Südhorizont.



Map

Aufsuchkarte für Messier 89 in der Jungfrau (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (107 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: M 89 / NGC 4552 / UGC 7760 / PGC 41968 / MCG 2-32-149
Objekttyp: Galaxie (Galaxy)
Sternbild: Jungfrau (Virgo, Vir)
RA (J2000.0): 12h 35m 39.9s
Dec (J2000.0): +12° 33' 22"
B Helligkeit: 10.9
V Helligkeit: 9.9
Flächenhelligkeit: 13.2
Größe: 3.5' x 3.5'
Klassifikation: E0
Entfernung: 54 Millionen Lj

Beschreibung: pB,pS,R,gmbM

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