Objekt des Monats - Juni 2015

Messier 8 - Der Lagunennebel



M8

Der Lagunenebel Messier 8 im Sternbild Schütze, © STScI Digitized Sky Survey (DSS)

Der Lagunennebel Messier 8 (NGC 6523), mit dem eingebetteten Sternhaufen NGC 6530 im Sternbild Schütze, wurde am 23. Mai 1764 von Charles Messier in seinen berühmten Nebelkatalog aufgenommen. Er beschrieb vor allem den elongierten Sternhaufen mit einer großen Anzahl schwacher Sterne, der in einem Nebel eingebettet ist. Er schreibt weiter: Besonders ein Stern sticht dabei besonders heraus und scheint von einem sehr schwachen Licht umgeben zu sein. Als erster Entdecker des Nebels gilt aber der Italiener Giovanni Battista Hodierna, der den Lagunenebel vor dem Jahr 1654 als Erster beobachtet hat. Der Engländer John Flamsteed gilt ebenfalls als Entdecker des Nebels und des Sternhaufens, den er im Jahr 1680 beschrieb und als Nummer 2446 in seinen Katalog aufnahm. De Cheseaux beobachtete den Sternhaufen im Jahr 1746 unabhängig von Flamsteed und konnte ihn in einzelne Sterne auflösen, bevor Le Gentil den Nebel sowie den Sternhaufen im Jahr 1747 schließlich unabhängig von den Vorbeobachtern wiederentdeckte. Der Name Lagunennebel geht auf die Astronomin A. M. Clerke zurück, die eine bogenförmige Dunkelwolke im Nebel beschrieb, die den östlichen Teil mit dem Sternhaufen vom helleren Nebelteil trennt.

Die große Sternentstehungsregion Messier 8 befindet sich, zusammen mit dem Sternhaufen NGC 6530, ungefähr 5.200 Lichtjahre von der Erde entfernt und ist der größte und hellste Nebel im Sternbild Schütze (Sagittarius). Diese Entfernungsangabe ist aber nach wie vor mit großen Unsicherheiten behaftet, da in der Literatur auch Entfernungen von 4.100 bzw. 6.000 Lichtjahre angegeben werden. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 6,0 mag, ist er an sehr dunklen Standorten, wie in Namibia, schon mit bloßem Auge sichtbar. Er besitzt einen scheinbaren Durchmesser von 90 x 40 Bogenminuten, was die 3-fache Ausdehnung des Vollmondes entspricht. Auf die Entfernung gerechnet beträgt der Durchmesser des Nebels 140 x 60 Lichtjahre. In diesem Sternentstehungsgebiet kann man mehrere Bok-Globulen beobachten, deren Materie momentan in sich zusammenfällt und Protosterne enthalten, die sich später zu jungen Sternen entwickeln. Einige dieser Globulen, z.B. B 88, B 89 und B 296, wurden von E. E. Barnard entdeckt und katalogisiert. Meist besitzen diese Globulen Durchmesser von rund 10.000 AE und mehr. Der in Messier 8 eingebettet Sternhaufen NGC 6530 ist aus der Molekülwolke entstanden und enthält heiße und helle Sterne der Spektralklasse O und B. Diese regen mit ihrer Energie das umgebende Material des Nebels im Licht des ionisierten Wasserstoffs zum Leuchten an. Des Weiteren enthält der Lagunennebel in seinem Zentrum eine rund 30 Bogensekunden große Struktur, die von John Herschel als Stundenglasnebel (NGC 6523/6530) bezeichnet wurde. Dort findet zur Zeit die heftigste Sternenstehung statt. Der heiße und nur 10.000 Jahre alte Stern Herschel 36, mit der Spektralklasse O7 und einer Helligkeit von 9,5 mag, ionisiert mit seiner ultravioletten Strahlung das Gas in unmittelbarer Umgebung dieses Nebelgebiets. Als hellster Stern des Sternhaufens gilt aber der nur 2 Millionen Jahre alte Stern 9 Sagittarii (Spektralklasse O5), der mit einer Helligkeit von 5,97 mag einen großen Anteil an energetischer Strahlung besitzt, um ein Großteil der gesamten Nebelmasse zu ionisieren. Er besitzt die einemillionenfache Leuchtkraft unserer Sonne!
Der junge und ungefähr 14 Bogenminuten oder 9 Lichtjahre im Durchmesser messende Sternhaufen NGC 6530, im östlichen Teil des Nebels gelegen, ist ein eher loser Sternhaufen, der sich in Wirklichkeit direkt vor dem Nebelhintergrund befindet und der schwach zur Mitte hin konzentriert ist (Trümpler-Klasse II 2). Dieser besitzt 50 bis 100 Sterne, die sich aus dem Material des Nebels vor weniger als 5 Millionen Jahren gebildet haben. Nach Osten hin erkennt man auf lang belichteten Aufnahmen einen schwächeren Teil des Lagunennebels, der mit IC 4678 eine eigene Katalognummer besitzt. In der selben Himmelsregion befindet sich mit Messier 20 ein weiterer heller Emissionsnebel, der sich ein halbes Grad nördlich von Messier 8 befindet und auch als Trifidnebel bekannt ist. Dieser scheint Teil eines größeres Nebelkomplexes zu sein, zu dem auch der Lagunennebel gehört.

Der Lagunennebel ist der zweithellste Gasnebel, nach dem berühmten Orionnebel, der von Mitteleuropa aus beobachtbar ist. Demzufolge ist er in jedem optischen Instrument ein Genuss und gehört zu den schönsten Nebelgebieten des Sommerhimmels. Er befindet sich etwas westlich der hellen Sagittarius-Sternenwolke der Milchstraße. Er ist schon im 7x50 Fernglas ein leichtes Objekt und erscheint im Gesichtsfeld als ovaler Lichtfleck. Leider erreicht er aber von unseren Breiten aus gesehen nur eine Höhe von gut 16 Grad über dem Horizont, so dass oft Dunstschichten den Anblick des Nebels trüben. Obwohl der Nebel schon bei kurz belichteten Aufnahmen rötlich erscheint, erscheint er dem bloßen Auge nur als grauer weißer Nebelfleck. Im 10x50 bzw. 10x70 Fernglas erkennt man, dass der zentrale Teil des Nebels deutlich heller erscheint. Vor allem mit einem 2,5 Zoll Teleskop ist der Sternhaufen in 25 Einzelsterne der 7. Größenklasse aufgelöst. Dieser wird durch ein ovale Nebelmasse umgeben, in dessen Zentrum sich ein dunkles Staubband befindet. Es durchzieht den Nebel von Nordost nach Südwest und ist rund 2 Bogenminuten breit. Im westlichen Teil des Nebels stechen 2 Sterne hervor, wobei der hellere der besagte Überriese 9 Sgr ist. Mit 4 Zoll Öffnung erscheint das Staubband deutlicher und teilt den Nebel in zwei Teile. Mit einem 6 bis 8 Zoll Teleskop ergibt sich ein herrlicher Anblick. Nun sind auch einzelne Hell- und Dunkelstrukturen, Bögen und Knoten im Nebel sichtbar. Dabei sticht der Sternhaufen markant aus der Nebelmasse heraus. Am besten beobachtete man den Nebel aber mit geringen Vergrößerung zwischen 20 und 40-fach. Auch Filter vom Typ UHC oder ein O-III sind hilfreich, so dass der Nebelteil noch deutlich kontrastreicher erscheint. Mit 100 bis 150-facher Vergrößerung im 8 bis 10-Zöller sticht im Zentrum der Stundenglasnebel besonders gut hervor. Hier erkennt man abwechseln helle Nebelfelder, die durch Dunkelwolken unterbrochen werden.

Messier 8 liegt einige Grad oberhalb und westlich der auffälligen Teekannenfigur des Sternbilds Schütze und etwas südlich der verlängerten Linie, die durch die hellen Sterne Phi und Lambda Sgr gebildet werden. Man findet ihn auch, wenn man von der Verbindungslinie zwischen Alpha Sco (Antares) und Lambda Sgr ausgeht. Messier 8 befindet sich dann etwas oberhalb dieser Strecke und in ungefähr ¼ der Distanz zum Hauptstern Antares im Skorpion.

Am besten beobachtet man den Lagunennebel von südlicheren Regionen bzw. vom Äquator aus vor allem in den Monaten Juni, Juli und August. Ende Juni kulminiert der Lagunennebel rund eine halbe Stunde vor Mitternacht und in einer Höhe von gut 15 Grad über dem Südhorizont.



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Weitfeldaufnahme der Nebelregion um den Lagunen- und Trifidnebel © 2014 Andreas Schnabel


Map

Aufsuchkarte für Messier 8 im Schützen (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (95 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: M 8 / NGC 6523 / LBN 25
Eigenname: Lagunennebel / Lagoon Nebula
Objekttyp: Emissionsnebel (Emission nebula)
Sternbild: Schütze (Sagittarius, Sgr)
RA (J2000.0): 18h 03m 48.0s
Dec (J2000.0): -24° 23' 00"
B Helligkeit: 5.0
Flächenhelligkeit: 13.0
Größe: 45.0' x 30.0'
Klassifikation: EN
Entfernung: 5200 Lj

Beschreibung: !!!,vB,eL,eiF,w L Cl
Notizen: Lagoon Nebula;Cl NGC 6530 invl;dark lane crosses neb

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