Objekt des Monats - August 2022

Messier 28 im Schützen



M22

Der Kugelsternhaufen Messier 28 im Sternbild Schütze
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Der Kugelsternhaufen Messier 28 (NGC 6626), im südlichen Sternbild Schütze, wurde am 27. Juli 1764 von dem französischen Astronomen Charles Messier entdeckt. Messier beschrieb ihn als lichtschwachen Nebel, der keinen Stern enthält. Der deutsch-britische Astronom Wilhelm Herschel war wahrscheinlich der erste Beobachter, der M 28 in einzelne Sterne auflösen konnte und ihn als "Sternwolke" bezeichnete. Sein Sohn John Herschel beschrieb den Sternhaufen als sehr hell, rund und stark verdichtet. Auch ihm gelang es, M 28 in einzelne Sterne von 14 bis 15 mag Helligkeit aufzulösen.

Messier 28 besitzt eine scheinbare Helligkeit von 7,7 mag und eine Größe von 11,2 Bogenminuten, so dass der Sternhaufen bereits in Ferngläsern aufgefunden werden kann. Leider steigt er, von unseren Breiten aus gesehen, nie seht hoch über dem Südhorizont. Er befindet sich 19.600 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt einen wahren Durchmesser von 60 Lichtjahren. Der Sternhaufen enthält rund 50.000 Sterne. Seine Masse wird mit 551.000 Sonnenmassen angegeben. Er gehört eher zu den masseärmeren und lichtschwächeren Kugelsternhaufen der Milchstraße und zu den kompakteren und dichtesten seiner Klasse. Der berühmte Herkuleshaufen Messier 13 am Nordhimmel ist mit 160 Lichtjahre deutlich größer. Auch erscheint er deutlich kleiner und komprimierter als sein unmittelbarer Nachbar Messier 22, der sich nur 3 Grad östlich von ihm befindet. So ist es nicht verwunderlich, dass Messier 28 leicht übersehen werden kann. Sein Alter wird mit 12 Milliarden Jahren angegeben. Der Kugelsternhaufen besitzt eine leicht elliptische Form. Um ihn in einzelne Sterne aufzulösen, benötigt man größere Teleskope. Aufgrund des interstellaren Staubs werden die Sterne des Kugelhaufens um 2,5 Größenklassen abgeschwächt. Der Sternhaufen enthält 18 Haufenveränderliche vom RR-Lyrae-Typ sowie einen seltenen Pulsationsveränderlichen vom Typ W Virginis, mit einer Periode von 17 Tagen. Auch ein langperiodischer Veränderlicher vom Typ RV Tauri ist bekannt. Im Jahr 1987 wurde durch das Jodrell-Bank-Observatorium in England ein Millisekundenpulsar mit der Bezeichnung PSR B1821-24 entdeckt. Dieser dreht sich alle 11 Millisekunden um seine Achse. Es war erst der zweite Neutronenstern, der in einem Kugelsternhaufen entdeckt wurde. Die erste Sternenleiche dieses Typs wurde in Messier 4 im Sternbild Skorpion aufgefunden. Auch die Kugelsternhaufen Terzan 5 und 47 Tucanae am Südhimmel enthalten mindesten einen dieser Pulsare.

Messier 28 kann bereits im 7x50 oder 10x50 Feldstecher als unscharfes Sternchen, weniger als 1 Grad nordwestliche des Sterns Kaus Borealis (Lambda Sgr), aufgefunden werden. In Teleskopen von 3 bis 4 Zoll Öffnung und 100-facher Vergrößerung ist der Sternhaufen noch nicht in einzelne Sterne aufgelöst, erscheint aber im Randbereich leicht körnig. Er ist recht flächenhell, ohne einem definierten Zentralbereich. Mit 6 bis 8 Zoll Öffnung und hoher Vergrößerung können unter einem transparenten Himmel bereits die Randbereiche des Haufens in einzelne Sterne aufgelöst werden. Seine äußere Form erscheint leicht elliptisch und unregelmäßig, mit einer schwachen Ausbeulung im nördlichen Bereich des Haufens. Das hellere und kompakte Haufenzentrum ist deutlicher erkennbar. Teleskope von 10 bis 12 Zoll zeigen einen dichten, nahezu stellaren Kern. Nun ist der Sternhaufen auch nahezu vollständig in Einzelsterne aufgelöst. Die Randbereiche des Haufens gehen in den sternreichen Hintergrund über.

Der Kugelsternhaufen befindet sich inmitten der reichen Milchstraßenfelder, im westlichen Bereich des Sternbilds Schütze. Er ist sehr einfach aufzufinden, wenn wir vom Deckel des Teekannen-Asterismus des Schützen ausgehen. Wenn wir den 2,8 mag hellen Stern Lambda Sagittari in die Suchermitte einstellen, taucht 0,8 Grad nordwestlich des Sterns M 28 auf. Dieser ist in jedem Sucherteleskop zu erkennen und bildet mit einem weiteren Stern der 6. Größenklasse ein annähernd gleichschenkliges Dreieck.

Messier 28 kann am besten in den Sommermonaten beobachtet werden, wenn das Sternbild Schütze im Süden kulminiert. Anfang August steht M 28 gegen 23 Uhr Sommerzeit im Süden, in einer Höhe von 13 Grad über dem Horizont.



Map

Aufsuchkarte für Messier 28 im Schützen (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (149 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: M 28 / NGC 6626 / GCL 94 / ESO 522-SC23
Objekttyp: Kugelsternhaufen (Globular Cluster)
Sternbild: Schütze (Sagittarius, Sgr)
RA (J2000.0): 18h 24m 32.9s
Dec (J2000.0): -24° 52' 10"
V Helligkeit: 6.9
Flächenhelligkeit: 11.0
Größe: 13.8'
Klassifikation: IV
Entfernung: 22.800 Lj

Beschreibung: vB,L,R,geCM,rrr
Notizen: 45' NW from Lambda Sgr;* mags 14...

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