Objekt des Monats - August 2010

Messier 27 - Der Hantelnebel



M27

Der Hantelnebel im Sternbild Füchschen
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Messier 27 im unscheinbaren Sternbild Füchschen gelegen, ist einer der hellsten und größten Planetarischen Nebel des Himmels und wurde am 12. Juli 1764 von Charles Messier - als erster Planetarische Nebel überhaupt - entdeckt. Messier beschrieb ihn als ovalen Nebel ohne Sterne. Der Sohn von Wilhelm Herschel, John Herschel, gab ihn wegen seiner länglichen Form den Namen Hantelnebel.

Der Hantelnebel befindet sich inmitten der Sommermilchstraße und gehört sicherlich zu den schönsten und beeindruckendsten Objekten für Fernrohrbeobachter. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 7,5 mag und einer Größe von 8,0 x 5,6 Bogenminuten gehört M 27 auch zu den größten und hellsten Objekten seiner Klasse. Nur der Helixnebel NGC 7293 im Sternbild Wassermann ist heller, von der Flächenhelligkeit her (aufgrund seiner scheinbare Größe am Himmel) aber bedeutend lichtschwächer. Fotografisch ist auch ein schwacher äußerer Halo von 15 Bogenminuten Ausdehnung nachweisbar. Zwei Grad westlich des Nebels befindet sich noch der Sternhaufen NGC 6830. Dieser enthält 20 bis 30 Sternen und steht in einer Entfernung von 5.500 Lichtjahren.

Die Entfernung zu Messier 27 ist nach wie vor unsicher, dürfte aber knapp 1.240 Lichtjahre betragen. Der Zentralstern, ein bläulicher Weißer Zwerg (Spektralklasse O7) von 13,5 mag Helligkeit, 0,56 Sonnenmassen und einer Oberflächentemperatur von 85.000 K, regt den Nebel mit seiner starken UV-Strahlung zum Leuchten an und ist schon in kleineren und mittleren Teleskopen sichtbar. Er wird von einem schwächeren gelblichen Stern 17er Größe und in einem Abstand von 6,5 Bogensekunden begleitet.
Wir blicken ziemlich genau auf die Äquatorebene der Nebelhülle. Würden wir auf seine Pole schauen, erschiene er uns als Ring - ähnlich wie der berühmte Ringnebel Messier 57 im Sternbild Leier. Die knapp 3 Lichtjahre große Hülle selber dehnt sich mit 31 km/s aus, was je nach Quelle zwischen 2,3 und 6,8 Bogensekunden Ausdehnung pro Jahrhundert ausmacht. So schwankt auch das Alter des Nebels ziemlich stark und beträgt zwischen 20.000 und 48.000 Jahre. Andere Quellen sprechen sogar von nur 9.800 Jahren!

Unter halbwegs guten Bedingungen ist der Hantelnebel schon in einem kleinen Fernglas bzw. im Sucherfernrohr sichtbar, als nahezu kreisrundes Nebelbällchen in einem reichen Sternenfeld gelegen. Schon mit kleinen Fernrohren erscheint das Innere der bläulich-grünen und ovalen Nebelhülle hell und strukturiert. Mit einem Teleskop von 2 Zoll Öffnung und 50 bis 100facher Vergrößerung ist die typische zweigeteilte und sanduhr- bzw. hantelförmige Struktur sichtbar, die den Nebel seinen Namen gegeben hat. Die nördlichen und südlichen Ränder erscheinen dabei rund und gut begrenzt, wohingegen der Nebel seitlich diffus in den Hintergrund ausläuft. Ab 4 Zoll Öffnung kann man sogar einige Sterne in der Nebelhülle beobachten. Mit Teleskopen ab 5 bis 6 Zoll Öffnung, niedriger Vergrößerung und vor allem mit einem schmalbandigen Nebelfilter vom Typ O-III, erscheinen quer zur Sanduhr auch die so genannten "Ohren", so dass M 27 jetzt in Ost-West-Richtung etwas länger erscheint. Ab 8 Zoll sollte auch der 13,5 mag helle Zentralstern, am besten ohne Nebelfilter, sichtbar sein.

Messier 27 ist nicht leicht zu finden, da er in inmitten einer sternreichen Umgebung steht. So geht man am besten von Gamma Sagittae aus, der sich nahezu auf derselben Rektaszension wie M 27 befindet. Nachdem wir Gamma Sge in die Mitte des Sucherfeldes eingestellt haben, schwenken wir rund 3 Grad nach Norden. Nun sollte der Hantelnebel bei niedriger Vergrößerung im Okulargesichtsfeld erscheinen.

Der Planetarische Nebel steht Mitte August gegen 23:30 Uhr Sommerzeit in knapp 60° Höhe im Süden.



Map

Aufsuchkarte für Messier 27 im Füchschen (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (86 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: M 27 / NGC 6853 / PK 60-3.1 / PK 60-3.1 / PN G060.8-03.6
Eigenname: Dumbbell Nebula / Hantelnebel
Objekttyp: Planetarischer Nebel (Planetary nebula)
Sternbild: Füchschen (Vulpecula, Vul)
RA (J2000.0): 19h 59m 36.3s
Dec (J2000.0): +22° 43' 18"
B Helligkeit: 7.6
V Helligkeit: 7.4
Flächenhelligkeit: 11.3
Größe: 8.0' x 5.7'
Klassifikation: PN 3(2)
Helligkeit des Zentralsterns: 14.8
Expansionsgeschwindigkeit (OIII): 15.0 km/s
Entfernung: 1.200 Lj

Beschreibung: !!vB,vL,bi-N,IE,Dumbbell Neb
Notizen: PK60-3.1;Lord Rosse drew 18* invl, CS=13.9, Dumbbell nebula
Entdecker: HUGGINS 1864

Millennium Star Atlas: Charts 1195-1196 (Vol III)
Sky Atlas 2000.0: Chart 8
Uranometria 2000: Chart 162, Vol 1
Uranometria 2000 (neu): Chart 66, Vol 1