Meteoritensammlung


Hoba Meteorit

Der Hoba-Meteorit nahe Grootfontein (Otjozondjupa, Namibia) © 2018 Andreas Schnabel
Die zahlreichen auf der Erde gefundenen Meteoriten sind allesamt kosmischen Ursprungs. Sie stammen ursprünglich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Einige stammen auch vom Mars oder von unserem Mond. Sie bestehen überwiegend aus Silikatmineralien oder einer Eisen-Nickel-Legierung. Meteoriten unterscheiden sich stark in ihrer chemischen Zusammensetzung. Wenn Meteoroide mit einigen Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre eindringen, erzeugen sie eine Leuchterscheinung, die als Meteor oder umgangssprachlich als Sternschnuppe bezeichnet wird. Die Atmosphäre bremst die Teilchen so stark ab, dass sie sich durch die entstehende Reibungswärme stark erhitzen. Nach dem Fall auf die Erde weisen sie eine äußere Schmelzkruste auf. Das Innere des Meteoriten wird hingegen nicht stark erhitzt und bleibt in seiner ursprünglichen Form erhalten. Somit enthalten diese Steine aus dem All Material, das sich vor 4,56 Milliarden Jahren aus dem Urnebel gebildet hat. Meteorite helfen Wissenschaftlern deshalb, die Entstehung unseres Sonnensystems zu ergründen. Impaktite sind dagegen Gesteine, die bei einem Meteoriten-Einschlag entstehen. Durch die dabei entstehenden starken mechanischen Kräfte sowie Druck und Hitze werden die Gesteine am Ort des Einschlags verändert und zertrümmert. Dabei werden die Minerale im Gestein metamorphisiert und teilweise aufgeschmolzen.


Eisenmeteorite

Agoudal

Name: Agoudal (aka Imilchil)
Typ: Eisenmeteorit - Hexaedrit (IIAB)
Verwitterungsgrad: W1
Fundort: Meknès-Tafilalet, Hohes Atlas Gebirge, Marokko
Koordinaten: 31° 59' 04"N, 05° 30' 55"W
Fundjahr: 2000 - 2012
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): >100 kg
Größe: 2,5 x 1,2 cm

AgoudalDie ersten Eisenmeteorite dieser Art wurden im Jahr 2000 in Marokko entdeckt. Das schöne Stück mit seiner schon etwas verwitterten, aber glatten Schmelzkruste habe ich im April 2014 bei WWMeteorites auf eBay erworben. Die offizielle Bezeichnung dieses Meteoriten lautet „Agoudal-Eisenmeteorit”. Er wird allerdings häufig auch unter dem Namen Imilchil geführt. Der von mir gekaufte Agoudal ist unbehandelt und zeigt den originalen Fundzustand. Meteoriten von diesem Fundort werden im Handel relativ selten angeboten. Das genaue Streufeld dieser Meteorite ist noch nicht klar definiert. Im Jahr 2000 sammelten marokkanische Einheimische zwei kleinere Eisenstücke im Agoudal im Hohen Atlas auf. Diese beiden Stücke wurden an Touristen verkauft. Im September 2011 gelangte ein Stück zu einem Händler nach Er-Rich, der es als Eisenmeteoriten erkannte. Von September 2012 bis 2013 wurde das Fundgebiet systematisch mit Metalldetektoren abgesucht, wobei eine große Anzahl kleiner Meteoriten entdeckt wurde. Viele dieser Stücke lagen direkt an der Erdoberfläche oder waren nur wenige Zentimeter im Erdboden vergraben. Das größte gefundene Stück wog 60 Kilogramm und lag rund einen halben Meter unter der Oberfläche. Inzwischen nehmen Wissenschaftler an, dass es vor rund 40.000 Jahren, im Jungpleistozän, zu einem Meteoritenfall kam. Der in der Nähe des Streufeldes gelegene Isli-See (32° 13′ N, 5° 38′ W) könnte ein bei diesem Impaktereignis entstandener Meteoritenkrater sein.

Agoudal-Eisenmeteorite sind sogenannte Hexaedrite, die bei ihrer Entstehung nicht über 800 °C erhitzt wurden. Sie bestehen fast ausschließlich aus dem Mineral Kamazit. Ihr Nickelgehalt beträgt 4 bis 7,5 %. Im Gegensatz zu den Oktaetriten zeigen sie keine Widmannstätteschen Figuren. Allerdings zeigen einige dieser Meteorite nach dem Ätzen parallele Linien. Dabei handelt es sich um sogenannte Neumannschen Linien, die durch Verformungen des Metallgefüges entstanden sind und ihren Ursprung wahrscheinlich in einem Impaktereignis mit einem anderen Asteroiden haben. Die Meteorite der Gruppe IIAB weisen eine ähnliche Verteilung von Spurenelementen auf wie kohlige Chondrite und Enstatit-Chondrite. Es wird angenommen, dass diese Eisenmeteorite von einem chondritischen Ursprungskörper stammen. Agoudal-Eisenmeteorite bestehen aus großen Kamazit-Körnern, die oft deutliche Neumann-Linien aufweisen. Beim Schnitt durch den Meteoriten sind mehrere Zentimeter große Schreibersit-Kristalle sichtbar. Der Meteorit enthält 5,5 % Nickel, 4,1 mg/g Cobalt, 58 µg/g Gallium, weniger als 0,04 µg/g Iridium und weniger als 1 µg/g Gold.

Campo del Cielo

Name: Campo de Cielo
Typ: Eisenmeteorit - Coarse Oktaedrit (IAB-MG)
Fundort: Campo del Cielo, Gran Chaco Gualamba (Argentinien)
Koordinaten: 27° 28'S, 60° 35'W
Fundjahr: 1576
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 50 Tonnen
Größe: 1,5 cm [Bild I] / 2,5 cm [Bild II] / 1,7 cm [BILD III]

Campodelcielo1Diese drei Fragmente eines Eisenmeteoriten stammen aus dem Gebiet Campo del Cielo in Argentinien. Bruchstücke dieses Meteoriten wurden erstmals im Jahr 1576 in einem Streufeld von 122 Kratern, von denen der größte einen Durchmesser von 70 Metern hat, im Norden des Landes entdeckt. Bis heute wurden mehr als 100 Tonnen Material gefunden. Aus diesem Grund werden die Fragmente des Eisenmeteoriten vergleichsweise günstig angeboten. Das größte Fragment wiegt 37 Tonnen. Durch Radiokarbonanalysen von in der Nähe der Krater erhalten gebliebenem Holz geht man davon aus, dass der Meteorit vor 4000 bis 6000 Jahren gefallen ist. Der kleine, stark verwitterte Eisenmeteorit wurde im Juli 2013 von impact-shop.eu im Internet erworben. Der schöne Meteoritenanhänger auf dem zweiten Bild wurde im Juli 2021 in der „Steinerlebniswelt von Reiner Augsten” in Oy-Mittelberg im Allgäu gekauft. Das neueste Exemplar meiner Meteoritensammlung ist ebenfalls ein Anhänger, der inklusive Kette im Juli 2024 im Planetarium „YOUR DOME Tirol” in Schwaz als Souvenir erworben wurde.

Campodelcielo2Campodelcielo3

Der Ursprungskörper stammt aus dem Asteroidengürtel und wurde als grober Oktaedrit der Gruppe IA klassifiziert. Oktaedrite sind die häufigste Gruppe der Nickel-Eisen-Meteorite. Seine chemische Zusammensetzung beträgt 92,6 % Eisen, 6,68 % Nickel, 0,43 % Kobalt, 0,25 % Phosphor sowie Spuren von Gallium, Germanium und Iridium.

Muonionalusta

Name: Muonionalusta
Typ: Eisenmeteorit - Oktaedrit (IVA)
Fall: ca. 800.000 Jahre v.Chr.
Fundort: (Kiruna) Schweden
Koordinaten: 67° 48'N, 23° 06'E
Fundjahr: 1906
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 230 Kilogramm
Größe: 1,0 cm

MuonionalustaDie Meteoritenscheibe kaufte ich im Februar 2016 bei einem Meteoritenhändler auf eBay. Dieses geschnittene und geätzte Exemplar eines Oktahedriten stammt aus Schweden nahe der westlichen Grenze zu Finnland und fiel vor rund 800.000 Jahren auf die Erde. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre erzeugte der Meteorit eine riesige Explosion, die ihn in mehrere Stücke zerriss. Das erste Exemplar wurde im Jahr 1906 von einer Gruppe Kinder in der nordischen Taiga in der Nähe des Dorfes Kitkiöjärvi aufgespürt. Bislang sind noch rund 40 weitere Bruchstücke bekannt, darunter einige große. Weitere Fragmente gingen innerhalb eines 25 x 15 Kilometer großen Streufeldes nieder. Der Meteorit wurde 1910 von Prof. A. G. Högbom erstmals beschrieben und nach einem nahen Fluss (Muonio River) benannt. Mit einem Alter von 4,5653 Milliarden Jahren gehört der Muonionalusta-Meteorit zu den ältesten Gesteinen unseres Sonnensystems. Er stammt höchstwahrscheinlich aus dem Mantel oder dem Kern eines größeren Planetoiden und überstand nach seinem Fall vier Eiszeiten. Der Permafrost konservierte den Meteoriten später, sodass er nicht verwitterte.

Die Masse der gefundenen Bruchstücke beträgt insgesamt 230 kg. Weitere Analysen dieses stark geschockten Eisenmeteoriten ergaben einen Nickelanteil von 8,4 % sowie Spuren seltener Elemente wie Gallium, Germanium und Iridium. Darüber hinaus enthält der Meteorit das seltene Mineral Stishovit, eine Hochdruckpolymorphie von Siliziumdioxid (SiO₂). Studien aus dem Jahr 2010 belegen, dass das Mineral vor ca. 400 Millionen Jahren durch ein Einschlagsereignis gebildet wurde. Sie zeigt sehr schön die sogenannten Widmanstätten-Strukturen, die sichtbar werden, wenn Eisenmeteorite angeschliffen, poliert und mit methanolhaltiger Salpetersäure angeätzt werden. Diese Strukturen zeigen die unterschiedliche Beständigkeit der beiden vorliegenden Nickel-Eisen-Minerale Kamacit und Taenit. Sie sind außerdem Erkennungsmerkmale für meteoritisches Eisen.

Sikhote-Alin

Name: Sikhote-Alin
Typ: Eisenmeteorit - Coarse Oktaedrit (IIB)
Fall: 12. Februar 1947, 10:38 Uhr Ortszeit
Fundort: Sichote-Alin-Gebirge, Sibirien (Russland)
Koordinaten: 46° 9' 36"N, 134° 39' 12"E
Fundjahr: 1947
Fall beobachtet: ja
Gesamtmasse (TKW): 23 Tonnen
Größe: 2,3 cm

SikhotealinDieses Bruchstück eines Eisenmeteorits wurde im Juni 2013 von impact-shop.eu käuflich erworben und trägt die Bezeichnung Sikhote-Alin. Der Meteor drang am Morgen des 12. Februars 1947 mit einer Geschwindigkeit von 50.000 km/h in die Erdatmosphäre über Ostsibirien ein, zerbrach dann über dem Sichote-Alin-Gebirge in Sibirien, knapp 500 Kilometer nördlich von Wladiwostok, und verteilte seine Bruchstücke in einem Gebiet von 4 x 12 Kilometern. Bisher wurden Bruchstücke mit einer Gesamtmasse von mehr als 30 Tonnen gefunden. Das größte Bruchstück wog 1,75 Tonnen. Der Bolide war so hell wie die Sonne und zog eine 30 Kilometer lange Rauchspur hinter sich her. Er wurde damals von mehr als 240 Augenzeugen beobachtet. Die Erscheinung war vergleichbar mit dem Fall des Meteors von Tscheljabinsk am 15. Februar 2013. Auch dieses Bruchstück eines Asteroiden stammt aus dem Hauptasteroidengürtel und wird als grober Oktaedrit der Gruppe IIB klassifiziert. Seine chemische Zusammensetzung beläuft sich auf 93,32 % Eisen, 6 % Nickel, 0,47 % Cobalt, 0,47 % Kupfer, 0,28 % Phosphor, 0,01 % Schwefel sowie Spuren von Gallium, Germanium und Iridium.

Steinmeteorite

Dhofar 1750

Name: Dhofar 1750
Typ: Steinmeteorit - H Chondrit (H5)
Verwitterungsgrad: W5
Schockstufe: S3
Fundort: Zufar (Oman)
Koordinaten: 19°11'11"N, 54°36'53"E
Fundjahr: Feb/Mar 2011
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 123 g
Größe: 1,8 cm

Dhofar1750Dieser Steinmeteorit wurde im Jahr 2011 bei einer systematischen Suche in der Wüste des Omans gefunden. Die Meteoritenscheibe habe ich im Frühjahr 2014 bei einer eBay-Auktion von WWMeteorites gekauft. Die häufigsten Minerale, die in der Matrix vorkommen, sind Bronzite (ein Orthopyroxen) sowie Olivin. Darüber hinaus enthalten sie 19,5 mol % Ferrosilit und 18,84 mol % Wollastonit. Auffällig bei dieser Art von Meteoriten ist, dass sie stark metamorphisiert wurden. Das „H” in der Klassifikation steht für „High iron”. Der Meteorit enthält 25–31 % Gesamteisen, wovon 17–23 % auf Metalle entfallen. Trotz ihres steinigen Erscheinungsbildes sind H-Chondrite stark magnetisch. H-Chondrite sind mit einem Anteil von 44 % die häufigste Art von Chondriten, die überhaupt gefunden werden. Sie stammen wahrscheinlich vom S-Typ-Asteroiden (6) Hebe aus dem Hauptasteroidengürtel ab. H-Chondrite besitzen ähnliche Spurenelementhäufigkeiten und Isotopenverhältnisse wie Eisenmeteorite des Typs IIE. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass beide Typen vom selben Mutterkörper abstammen.

Jiddat al Harasis 730

Name: JaH 730
Typ: Steinmeteorit - L Chondrit (L4)
Verwitterungsgrad: W3
Schockstufe: S2
Fundort: Al Wusta (Oman)
Koordinaten: 19°38'06"N, 55°34'57"E
Fundjahr: Feb/Mar 2011
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 1040 g
Größe: 1,5 cm

JAH730Dieser Steinmeteorit wurde im Jahr 2011 bei einer systematischen Suche in der Wüste des Omans gefunden. Ich habe ihn Mitte März 2014 bei einer eBay-Auktion von WWMeteorites ersteigert. Die häufigsten Minerale in der Matrix des Meteoriten sind Fayalite (23,2 mol %), Ferrosilite (20 mol %) und Wollastonit (0,5 mol %). Der Name des Meteoriten leitet sich von dem der Wüste Jiddat al Harasis im Süden des Omans ab. In dieser Wüstengegend wurden auch zahlreiche seltene Mondmeteorite gefunden. Es existiert dort ein größeres Streufeld. Das L in der Typenbezeichnung bedeutet, dass der Meteorit geringe Mengen Gesamteisen enthält, wobei der absolute Anteil an Metallen 4 bis 9 % beträgt. Die Ziffer 4 besagt, dass der Stein bei seiner Entstehung stärkeren Temperaturen ausgesetzt war als beispielsweise L1-Meteorite (50 °C). Meteorite mit der Ziffer 6 wurden auf bis zu 950 °C erhitzt. Wie alle L-Chondrite stammt JaH 730 vermutlich vom im Jahr 1898 entdeckten und 2000 von der Raumsonde NEAR-Shoemaker besuchten erdnahen Asteroiden (433) Eros, der vor einigen Millionen Jahren wahrscheinlich mit einem anderen Asteroiden kollidiert ist.

Northwest Africa 869

Name: NWA 869
Typ: Steinmeteorit - L Chondrit (L4-6)
Verwitterungsgrad: W1
Schockstufe: S3
Fundort: Tindouf (Algerien)
Fundjahr: 2000 oder 2001
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 2 Tonnen
Größe: 1,5 cm [Bild I & II]

Der Meteorit mit der Bezeichnung „Northwest Africa 869” wurde im Jahr 2001 in der Nähe von Tindouf in Algerien gefunden. Er ist ein gewöhnlicher Chondrit vom Typ L4. Meteoriten dieses Typs waren bei ihrer Entstehung Temperaturen zwischen 700 und 750 °C ausgesetzt. Dadurch wurde das kristalline Gefüge teilweise umgewandelt. Das aufgeschnittene Stück habe ich im Sommer 2006 an der Sternwarte Königsleiten in Österreich erworben. Es war übrigens mein erstes Zeugnis aus den Anfängen unseres Sonnensystems vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren. Ein zweites Exemplar, das sich noch im vollständig erhaltenen Zustand befindet, erwarb ich im Frühjahr 2014 zu einem guten Preis auf ddfossils.com.

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Auch bei diesem Stück ist die typische dunkle Schmelzkruste erkennbar, die sich beim Durchgang durch die Erdatmosphäre gebildet hat. Chondriten sind die häufigste Klasse von Meteoriten. Ihr Name rührt daher, dass in ihrer Matrix feine Silikatkügelchen, die sogenannten Chondren, eingebettet sind. In ihrer Matrix dominieren Mineralien wie Olivin, Pyroxen und Plagioklas. Bei genauer Betrachtung sind sogar Spuren von Metallen erkennbar. Das L steht für „Low iron”, d. h. 20–24 % Gesamteisen, wovon ein Anteil von 4–9 % auf Metall entfällt. Die Ziffer 4 vor dem L bedeutet, dass der Meteorit im solaren Urnebel thermisch metamorphisiert wurde.

Northwest Africa 2856

Name: NWA 2856
Typ: Steinmeteorit - H Chondrit (H4)
Verwitterungsgrad: W3
Schockstufe: S2
Fundort: Erfoud (Marokko)
Fundjahr: 2004
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 1609 g
Größe: 2,3 cm

NWA2856Dieser Chondrit mit der Bezeichnung „Northwest Africa 2856” wurde im Oktober 2014 von einem britischen Fossilien- und Mineralienhändler (www.ddfossils.com) auf eBay erworben. Der Meteorit wurde im Jahr 2004 in der Sahara in Marokko gefunden. Leider sind über diesen Meteoriten keine weiteren Informationen bekannt, außer dass in seiner braunen, an Rohrzucker erinnernden Matrix, die außerdem nur kleine Chondren enthält, bei chemischen Analysen 18,8 mol % Fayalit und 16,4 mol % Ferrosilit gefunden wurden. H-Chondrite sind die Meteoriten, die auf der Erde am häufigsten gefunden werden und große Mengen an Gesamteisen enthalten.

Northwest Africa 2950

Name: NWA 2950
Typ: Steinmeteorit - H Chondrit (H4)
Verwitterungsgrad: W3
Schockstufe: S2
Fundort: Erfoud (Marokko)
Fundjahr: September 2005
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 946 g
Größe: 1,8 cm

NWA2950Dieser gewöhnliche Chondrit liegt mir als vollständiges, unaufgeschnittenes Exemplar mit der für die Sahara typischen, durch den Wind glatt geschliffenen und dunklen Schmelzkruste vor. Der Meteorit stammt aus den frühen Tagen des „Sahara-Goldrausches” und wurde im September 2005 in großen Mengen in Marokko gefunden. Daher ist er auf diversen Meteoritenmarktplätzen häufig zu finden. Aufgeschnittene Exemplare weisen ihn als typischen H-Chondriten aus. Er enthält viele auffällige Chondren in einer eisenreichen, braunen Matrix. Für Sammler ist besonders die niedrige NWA-Nummer interessant, da der Markt für marokkanische Meteoriten mit höheren Nummern regelrecht übersättigt ist. Mittlerweile ist man nämlich schon bei über 10.000 im Nordwesten Afrikas gefundenen Meteoriten angekommen. Somit präsentiert dieser Stein aus dem All auch die letzten Tage des kommerziellen Meteoritenhandels. Ich konnte ihn im Herbst 2014 zu einem günstigen Preis bei www.ddfossils.com auf eBay erwerben. Der Meteorit enthält 18,4 mol % Fayalit und 16,4 mol % Ferrosilit in seiner Matrix.

Northwest Africa 3336

Name: NWA 3336
Typ: Steinmeteorit - L Chondrit (L4)
Verwitterungsgrad: W1
Schockstufe: S4
Fundort: Rissani (Marokko)
Fundjahr: 2005
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 320 g
Größe: 2,5 cm

NWA3336 Dieser gewöhnliche L4-Chondrit wurde von mir Ende April 2014 bei eBay von dem bekannten französischen Meteoritenhändler WWMeteorites ersteigert. Er wurde vor dem Jahr 2005 in der marokkanischen Sahara gefunden. Der Meteorit besitzt eine ungewöhnlich dunkelgraue, fast schwarze Matrix mit kaum sichtbaren Chondren. In seiner aus 24,3 mol % Fayalit und 20,8 mol % Ferrosilit bestehenden Matrix sind allerdings einige winzige Metallfragmente erkennbar. NWA 3336 ähnelt vom Aussehen her deshalb eher einem kohligen Chondriten. Viele der L-Chondrite haben ihren Ursprung wahrscheinlich im sogenannten Odovizischen Meteorevent vor rund 470 Millionen Jahren. Dabei wurden die L-Chondrite stark geschockt und aufgeschmolzen. Wahrscheinlich wurde der Hauptkörper der Meteoriten bei diesem Ereignis durch den Einschlag eines größeren Asteroiden zerstört. In der Folge kam es zu dieser Zeit auch auf der Erde zu größeren Impaktereignissen und einem großen Massensterben. Die Spuren davon findet man heute noch überall auf der Welt in Form von Einschlagskratern.

Northwest Africa 6444

Name: NWA 6444
Typ: Steinmeteorit - LL Chondrit (LL4)
Verwitterungsgrad: ?
Schockstufe: ?
Fundort: Erfoud (Marokko)
Fundjahr: 2010
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 164 g
Größe: 1,6 cm [Bild I] / 1,2 cm [Bild II]

Diese beiden hübschen und interessanten Meteoritenscheiben wurden im März bzw. April 2014 bei eBay von WWMeteorites ersteigert. Sie zeigen einen LL4-Chondriten mit ungewöhnlich ausgeprägten und relativ großen Chondrulen in seiner Matrix. Der seltene Meteorit mit der Bezeichnung „Northwest Africa 6444” wurde im Jahr 2010 in der Sahara gefunden. In seiner Matrix wurden bei Analysen 27,8 mol % Fayalite, 23,7 mol % Ferrosilite sowie 2 mol % Wollastonit festgestellt.

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Das doppelte L in seiner Bezeichnung weist darauf hin, dass in diesem Meteoriten nur sehr wenig Gesamteisen in seiner Matrix gefunden wurde. Dafür liegt die Sauerstoffisotopenkonzentration weit über der von gewöhnlichen Chondriten. LL-Chondrite enthalten außerdem die größten Chondren mit einem Durchmesser von über einem Millimeter aller gewöhnlichen Chondrite.

Northwest Africa 6447

Name: NWA 6447
Typ: Steinmeteorit - Kohliger Chondrit (CO3.1)
Verwitterungsgrad: W2
Schockstufe: S2
Fundort: Agadir (Marokko)
Fundjahr: 2010
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 147 g
Größe: 1,2 cm

NWA6447Dieser Meteorit mit der Bezeichnung „Northwest Africa 6447” ist der einzige kohlige Chondrit in meiner Sammlung. Er besitzt sehr kleine, metallreiche Chondrulen in seiner Matrix. Er wurde im Jahr 2010 in der Sahara gefunden. Ich habe das gute Stück Mitte März 2014 bei eBay von WWMeteorites erworben. Kohlige Chondriten werden in sieben Klassen und Unterklassen eingeteilt und gehören mit einem Anteil von nur 4,6 % zu den seltensten Meteoriten. Sie besitzen einen hohen Anteil an Kohlenstoff (bis zu 3 %), der in Form von Graphit und Karbonaten in der Matrix enthalten ist. Auch andere organische Verbindungen wie einfache Aminosäuren kommen vor. Deshalb vermutet man, dass kohlige Chondrite die Bausteine des Lebens auf die Erde brachten, aus denen sich später das Leben entwickelte. Darüber hinaus enthalten diese Chondrite Minerale, die durch den Einfluss von Wasser entstanden sind und denen keine höheren Temperaturen im solaren Urnebel ausgesetzt waren. Diese Minerale kondensierten direkt im solaren Urnebel aus und gehören somit zu den ältesten Zeugnissen der Entstehung des Sonnensystems.

Northwest Africa 7313

Name: NWA 7313
Typ: Steinmeteorit - LL Chondrit (LL6)
Verwitterungsgrad: W1
Schockstufe: S2
Fundort: Erfoud, Marocco
Fundjahr: Feb 2012
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 777 g
Größe: 2,4 cm

NWA7313Dieser gewöhnliche Chondrit mit sehr wenig Gesamteisen in seiner Matrix wurde Ende April 2014 von WWMeteorites auf eBay ersteigert. Die relativ große Meteoritenbrekzie sieht recht ungewöhnlich aus, da sie vor allem zertrümmerte Reste großer Chondrulen enthält. Das feinkörnige Gestein wurde aufgeschmolzen und umkristallisiert und enthält viel Olivin und Orthopyroxen. Im Gegenlicht erkennt man zudem winzige metallische Einschlüsse in seiner unregelmäßigen grauen Matrix. Bei chemischen Analysen wurden 30,2 mol % Fayalite, 24,1 mol % Ferrosilite sowie 1,9 bis 2,4 mol % Wollastonite in NWA 7313 festgestellt.

Northwest Africa 7339

Name: NWA 7339
Typ: Steinmeteorit - L Chondrit (L5)
Verwitterungsgrad: W5
Schockstufe: S2
Fundort: Marokko
Fundjahr: Juni 2011
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 243 g
Größe: 2,0 cm

NWA 7339Der gewöhnliche Chondrit mit der Bezeichnung „Northwest Africa 7339” wurde ebenfalls von WWMeteorites im März 2014 auf eBay ersteigert. Er besitzt auffällige, relativ große Chondren in seiner rostbraunen Matrix. Bei Analysen wurden dort 23,5 mol % Fayalite, 20,3 mol % Ferrosilite sowie 1,7 mol % Wollastonite festgestellt. Chondrite sind Steinmeteoriten, die nicht aufgeschmolzen wurden und sich durch die Differenzierung ihres Mutterkörpers nur geringfügig verändert haben. Sie entstanden durch das Zusammenklumpen verschiedener Arten von Staub und kleinen Gesteinskörnern in der Frühzeit des Sonnensystems. Ein auffälliges Merkmal der Chondrite sind die Chondren: Millimetergroße Objekte aus silikatreichen Mineralien wie Olivin und Pyroxen, die sich als frei schwebende, geschmolzene oder teilweise aufgeschmolzene Tröpfchen während der Entstehung des Meteoroiden in der Matrix eingeschlossen haben. Chondrite enthalten auch Einschlüsse, die nicht im Urnebel aufgeschmolzen wurden. Sie sind die ältesten Zeugnisse des Sonnensystems und reich an Eisen-Nickel-Verbindungen. Der Rest dieser Chondrite besteht vorwiegend aus feinkörnigen, mehrere Mikrometer großen Staubpartikeln. Darüber hinaus sind präsolare Körner vorhanden, die noch vor der Bildung des Sonnensystems entstanden sind und ihren Ursprung in anderen Teilen unserer Galaxis haben.

Northwest Africa 7342

Name: NWA 7342
Typ: Steinmeteorit - H Chondrit (H4)
Verwitterungsgrad: W2
Schockstufe: S2
Fundort: Nordwestafrika (Marokko?)
Fundjahr: Juni 2011
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 55 g
Größe: 1,5 cm

NWA7342Auch dieser hübsche H-Chondrit wurde im März 2014 von WWMeteorites auf eBay ersteigert. Der Händler bietet übrigens regelmäßig Meteoriten in verschiedenen Größen sowie seltene Minerale auf dieser Auktionsplattform an. Leider ist über diese kleine Meteoritenscheibe nichts weiter bekannt, außer dass sie im Jahr 2011 in Nordwestafrika in der Sahara gefunden wurde. Das „H” in seiner Klassifizierung weist auf einen hohen Eisenanteil in seiner Matrix hin. Meiner Meinung nach sind bei diesem Exemplar die großen Chondren in einer dunkelgrauen Matrix äußerst bemerkenswert. Der Meteorit enthält 18,1 mol % Fayalite, 16,3 mol % Ferrosilite sowie 0,9 mol % Wollastonite.

Wadi Mellene (Sahara 02500)

Name: Sahara 02500
Typ: Steinmeteorit - L Chondrit (L3.8-6)
Verwitterungsgrad: W1
Schockstufe: S2
Fundort: Wadi Mellene, Sahara
Fundjahr: 2001 - 2002
Fall beobachtet: nein
Gesamtmasse (TKW): 410,9 kg
Größe: 2,5 cm

Wadi MelleneIch kaufte diese interessante Meteoritenscheibe im April 2014 bei WWMeteorites auf eBay. Das Streufeld, in dem die Fragmente des Meteoriten gefunden wurden, erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer. Der gewöhnliche Chondrit besitzt eine braun-grünliche Schmelzkruste mit einer eher grauen Matrix. Außerdem weist er gut ausgebildete Chondren von Mikrometergröße bis zu mehreren Millimetern Durchmesser auf. Das Material enthält zahlreiche Klasten verschiedener Lithologien. Zum Teil sind auch winzige Einschlüsse von Metallen in Form von Nickel-Eisen-Metall und Troilit vorhanden, die als helle Körner in der Matrix sichtbar sind. Aufgrund dessen wird er als Steinmeteorit mit einem relativ geringen Anteil an Gesamtmetallen (20–24 %) klassifiziert.

Impaktite & Brekzien

Indochinit

Typ: Tektit
Größe: 2,0 cm
Krater: ?
Fundort: Khen-Kon-Distrikt, nordöstlich von Bangkok (Thailand)
Alter: Quartär, Mittelpleistozän (Ionium), ca. 750.000 Jahre

Indochinit Diese Probe Indochinit habe ich im Frühjahr 2014 von einem britischen Fossilien- und Mineralienhändler (ddfossils.com) im Internet erworben. Indochinite gehören zu den Tektiten. Diese natürlichen Gläser entstanden vor mehr als 750.000 Jahren beim Einschlag eines großen Meteoriten im Tonkin-Becken vor der Küste Vietnams, das im Mittelpleistozän noch trocken lag. Sie kondensierten aus Schmelz- und Verdampfungsprodukten, die sich durch die enorme kinetische Energie des Meteoriten beim Aufschlag auf die Erdoberfläche entwickelten. Leider wurde bisher noch kein zugehöriger Meteoritenkrater gefunden. Die Streufelder solcher Einschläge können sich allerdings bis zu mehrere 100 Kilometer vom Aufschlagspunkt entfernt befinden. Vom Gesteinstyp her ähneln die Indochinite irdischem Obsidian.

Im Gegensatz dazu sind diese Tektite sehr silikatreich und nahezu frei von Wasser. Charakteristisch für die Indochinite aus Thailand ist ihre dunkle Färbung, die von schwarzem, braunem oder grünem Glas mit tiefen Schmelzlöchern und Gruben geprägt ist. Diese entstehen durch die aerodynamische Beeinflussung des flüssigen Materials beim Flug durch die Luft. Sie werden vorwiegend im australasiatischen Streufeld gefunden, das ca. 10 % der Erdoberfläche bedeckt. Es umfasst neben Südaustralien auch die Philippinen, Indonesien, große Teile von Indochina und China. Insgesamt existieren fünf größere Streufelder, auf denen Tektite gefunden wurden. Das australasiatische Streufeld ist das größte.

Chemische Zusammensetzung: 73% SiO2, 12,8% Al2O3, 2,4% K2O, 4,4% FeO, 2,5% MgO, 1,0% CaO, 1,5% Na2O3, 0,7% TiO2, 0,1% MnO sowie 0,04% Fe2O3.

Rochechouart Impact Breccia

Typ: Polymetrische Impaktbrekzie
Größe: 4,5 cm
Fundort: Rochechouart-Chassenon, Département Haute-Vienne/Charente (Frankreich)
Krater: 23 km Durchmesser (N 45°49' / E 00°47')
Alter: Oberer Trias (Rhätium), ca. 202,7 ± 2,2 Millionen Jahre

RochechouartDiese Impaktbrekzie ersteigerte ich Anfang Juni 2014 (während meines Aufenthalts in Tivoli nach einer langen Beobachtungsnacht des Südhimmels) bei WWMeteorites auf eBay. Sie stammt aus dem 23 Kilometer großen Impaktkrater Rochechouart-Chassenon im Südwesten Frankreichs. Gleichzeitig ist dieser Krater der siebtgrößte in ganz Europa. An der Trias-Jura-Grenze, vor rund 200 Millionen Jahren, schlug ein etwa 800 Meter bis 1,5 Kilometer großer Eisen- oder Steinmeteorit in das Grundgebirge des nordwestlichen Massif Central ein. Aufgrund des relativ hohen Alters sind die Ringstruktur und der Zentralberg nicht mehr erkennbar. Allerdings finden sich Impaktbrekzien und Suevit in größeren Lagen im Untergrund sowie Gesteine, die durch die sogenannte Stoßwellenmetamorphose des variszischen Grundgebirges bis in eine Tiefe von fünf Kilometern verändert wurden. Dabei herrschten am Ort des Einschlags eine Temperatur von 10.000 °C und ein Druck von 100 bis 1.000 GPa.

Die Impaktgesteine des Rochechouart-Chassenon-Kraters wurden in den 1770er Jahren vom französischen Geologen Nicolas Desmarest erstmals beschrieben. Doch erst 1969 wurde ihre Impaktnatur wissenschaftlich anerkannt. Die Rochechouart-Brekzie enthält dabei im Gegensatz zu den in diesem Gebiet gefundenen Sueviten so gut wie keine Glasreste. Sie besteht aus einer feinkörnigen, klastischen Matrix, in der zumeist eckige Bruchstücke des Grundgebirges eingelagert sind. Die Matrix stellt den Explosionsstaub dar, der sich mit den aus dem Grundgebirge herausgeschleuderten Gesteinen vermischte. Die Gesteine lagerten sich anschließend auf dem Kraterboden ab und wurden dort durch hohen Druck und Temperaturen verdichtet. Die Rochechouart-Brekzien findet man 5 bis 7,5 Kilometer vom Einschlagszentrum entfernt. Möglicherweise hatte das Impaktereignis zu einem Massensterben am Ende der Triaszeit geführt. Die Impaktkrater Wells-Creek und Red Wing in den USA sind vermutlich zeitgleich mit dem Rochechouart-Chassenon-Krater entstanden. Während des Ereignisses wurde innerhalb von fünf Minuten sämtliches Leben im Umkreis von 100 Kilometern ausgelöscht. Tiere und Pflanzen erlitten bis zu einem Umkreis von 300 Kilometern schwere Verbrennungen. Dabei überdeckte die Auswurfsmasse des Kraters einen Radius von bis zu 450 Kilometern. Vermutlich schlug der Asteroid im Aquitanischen Becken ein und verursachte einen gigantischen Tsunami, der die Küstengebiete um das Einschlagszentrum verwüstete.

Gardnos Impact Breccia

Typ: Impaktbrekzie
Größe: 3,9 cm
Fundort: Gardnos, Nesbyen, Halligdal (Norwegen)
Krater: ~ 5 km Durchmesser (N 60°39' / E 09°00')
Alter: Oberes Kambrium, ca. 500 ± 10 Millionen Jahre

GardnosDieses Gestein stammt aus dem rund fünf Kilometer großen Krater Gardnos in Norwegen, der sich etwa 150 Kilometer nordwestlich von Oslo befindet. Ich habe es Ende März 2014 von einem britischen Mineralien- und Fossilienhändler auf eBay erworben. Es entstand vor rund 500 Millionen Jahren im Oberen Kambrium durch den Einschlag eines 200 bis 300 Meter großen Meteoriten. Zunächst ging man davon aus, dass der Gardnoskrater vulkanischen Ursprungs sei. Im Jahr 1990 entdeckten die Geologen Johan Naterstad und Johannes A. Dons jedoch, dass der Krater durch einen Meteoriteneinschlag im frühen Paläozoikum entstand. Dabei wurde das umliegende Gestein pulverisiert, aufgeschmolzen und durch hohen Druck verdichtet und zusammengepresst.

Durch den Einschlag wurde das Material weit in der Umgebung verteilt, sodass man heute zahlreiche Brekzien in der Umgebung dieser Einschlagsstelle findet. Der Gardnoskrater gehört zu den für die Öffentlichkeit am leichtesten zugänglichen Meteoritenkratern weltweit und liegt in einer einzigartigen Naturlandschaft. Zahlreiche Informationstafeln entlang der Wanderwege beschreiben die interessante Geologie dieser Region. Die hellen Bruchstücke stammen vom ursprünglichen Gestein. Das schwarze „Bindemittel” ist hingegen pulverisiertes und später wieder verfestigtes Gestein. Dass die Brekzie in der Umgebung so gut zu sehen ist, ist einem Fluss zu verdanken, der im Laufe der Jahrhunderte diverse Oberflächenmaterialien weggespült hat.

Sudbury Impact Breccia

Typ: Impaktbrekzie
Größe: 4,1 cm
Fundort: Subury Structure, Sudbury, Ontario (Canada)
Krater: 60 x 30 km Durchmesser (N 46°36' / W 81°11')
Alter: Paläoproterozoikum (Columbium), ca. 1849 ± 3 Millionen Jahre

SudburyDiese Impaktbrekzie aus dem zweitgrößten Impaktkrater der Welt stammt aus Kanada und wurde Ende April 2014 von einem britischen Mineralien- und Fossilienhändler über eBay erworben. Vor 1,849 Milliarden Jahren, im späten Paläoproterozoikum, schlug ein etwa 10 bis 15 Kilometer großer Asteroid auf dem Kanadischen Schild ein und formte einen 200 bis 250 Kilometer großen Krater. Somit gehört dieser Krater zu den ältesten Impaktstrukturen auf der Erde. Durch unterschiedliche geologische Gebirgsbildungsprozesse in den nachfolgenden 800 Millionen Jahren wurde der Krater deformiert und besitzt heute nur noch eine Ausdehnung von 62 x 30 Kilometern. Trümmer dieses Einschlags wurden auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern verstreut und noch in einer Entfernung von 800 Kilometern vom Einschlagspunkt gefunden.

Die reichste Nickellagerstätte der Erde entstand durch das Aufschmelzen des Gesteins während des Einschlags. Außerdem geht man davon aus, dass der Einschlag des Asteroiden eine Durchmischung verursachte, durch die die Bildung von Bändereisenerzen (BIF) in den Ozeanen beendet wurde. Der Asteroideneinschlag am Ende des Paläoproterozoikums war vergleichbar mit dem Einschlag eines bis zu zehn Kilometer großen Himmelskörpers, der am Ende der Kreidezeit für das große Massensterben verantwortlich gemacht wird, bei dem auch die Dinosaurier ausstarben. Direkt im Nordosten grenzt an das Subury-Becken ein weiterer Krater mit einem Durchmesser von ungefähr 8 Kilometern. Mit einem Alter von nur 37 Millionen Jahren ist er allerdings deutlich jünger.

Vredefort Impactite

Typ: Tektit
Größe: 4,2 cm
Fundort: Vredefort Dome, Free State, Vredefort (Südafrika)
Krater: 300 km Durchmesser (S 26°51'36" / E 27°15'36")
Alter: Paläoproterozoikum (Columbium), ca. 2023 ± 4 Millionen Jahre

VredefortDiese geschnittene und polierte Impaktit-Scheibe aus dem Vredefort-Krater in Südafrika kaufte ich Ende April 2014 von dem deutschen Mineralienhändler „classicrocksandspheres” auf eBay. Der Vredefort-Krater, der auch als Vredefort-Struktur bzw. Vredefort Dome bezeichnet wird, ist der größte sicher identifizierte Einschlagskrater der Erde und die zweitälteste Impaktstruktur. Nur der Suavjärvi-Krater in Russland ist etwa 300 Millionen Jahre älter. Er befindet sich im Nordwesten der südafrikanischen Provinz Freistaat, rund 120 km südwestlich von Johannesburg, im Witwatersrand-Becken bei Vredefort. Vor rund 2,023 Milliarden Jahren, im späten Paläoproterozoikum, schlug ein etwa 15 bis 20 Kilometer großer Asteroid im Kaapvaal-Kraton ein und formte einen 320 Kilometer langen, 180 Kilometer breiten und 10 Kilometer tiefen Krater mit mehreren Ringen. Dieser Einschlag hatte verheerende globale Auswirkungen und laut einigen Wissenschaftlern auch wichtige evolutionäre Veränderungen zur Folge. Der Asteroid riss bei dem Einschlag ein 40 km tiefes und 100 km durchmessendes Loch, dessen Wände bald nach dem Einschlag einstürzten. Durch die Auswirkungen des Einschlags wurde das Witwatersrand-Becken verzerrt, das sich über einen Zeitraum von 950 bis 700 Millionen Jahren vor dem Einschlag abgelagert hatte. Auch die darüber liegenden Ventersdorp-Laven und die Transvaal-Supergroup, die 700 bzw. 80 Millionen Jahre vor dem Einschlag entstanden, wurden bei diesem Einschlag gestört.

Durch Plattentektonik und Erosion ist vom Krater heute nur noch ein rund 70 Kilometer breiter Teilring mit Hügeln übrig geblieben. Im Zentrum des Vredefort-Kraters befindet sich ein Zentralberg, von dem man anfangs annahm, dass er vulkanischen Ursprungs sei. Untersuchungen in den 1990er Jahren mit zahlreichen Funden von Impaktiten und Strahlenkegeln legten allerdings eine Impaktstruktur nahe. Heute zeugen nur noch die 25 km vom Zentrum des Einschlags entfernten Wiwatersrand-Hügel vom inneren Ring des Einschlagsbeckens. Sie bestehen aus erosionsbeständigen, 2,7 Milliarden Jahre alten Ablagerungen von Quarzit und Bändereisenerzen (BIF). Sie sind vor allem auf Satellitenbildern nordwestlich des Kraterzentrums erkennbar. Das Zentrum des Vredefort-Kraters selbst besteht aus einer 40 Kilometer im Durchmesser messenden Kuppel aus Granit des Kaapvaal-Kratons. Dieser bildete sich vor 3,6 Milliarden Jahren im Archaikum und gehört damit zu den ältesten Festlandskernen der Erde. Im Jahr 2005 wurden verschiedene geologische Formationen (darunter auch eine Verwerfung mit Stromatolithen) im Bereich des Einschlagskraters zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

Impaktite sind Gesteine, die bei einem Meteoriteneinschlag entstehen. Durch die dabei auftretenden hohen Temperaturen und Druckverhältnisse wird das beim Aufschlag umgebende irdische Gestein verändert. Es wird zertrümmert und aufgeschmolzen, sodass durch die Umbildung neue Minerale entstehen. Dieser Vorgang wird in der Geologie auch als Stoßwellenmetamorphose bezeichnet. Charakteristisch für Impaktite sind die Minerale Stishovit und Coesit, die nur unter hohem Druck entstehen können. Impaktite mit diesen Hochdruckmineralien sind der geologische Beweis für einen Einschlag eines Himmelskörpers.