
Die Galaxie NGC 5846 im Sternbild Jungfrau (Virgo) wurde am 24. Februar 1786 vom deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt. Sie ist ebenfalls auf der Herschel-400-Liste verzeichnet.
Die riesige, nahezu kreisrunde elliptische Galaxie NGC 5846 gehört zum Hubble-Typ E0–1, hat eine scheinbare Helligkeit von 10,1 mag und einen Durchmesser von 4,0 x 3,7 Bogenminuten. Sie ist bereits in kleineren bis mittleren Teleskopen beobachtbar. NGC 5846 ist Teil der Virgo-III-Gruppe (auch Virgo-Libra-Galaxienwolke genannt), die sich östlich des Virgo-Superhaufens erstreckt. Sie steht 77 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und ist um 31 Grad zu unserer Sichtlinie geneigt. Die Galaxie besitzt eine Masse von mehreren Billionen Sonnen. Ihr wahrer Durchmesser beträgt gut 92.000 Lichtjahre. Gleichzeitig ist sie das Hauptmitglied der NGC-5846-Gruppe (LGG 393), eines kleinen Galaxienhaufens aus neun hellen Mitgliedern. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem die Galaxien NGC 5813, NGC 5831, NGC 5854, NGC 5864 und NGC 5869. Bei genauerer Untersuchung der Galaxiengruppe wurden über 250 potenzielle Mitglieder entdeckt, von denen 80 % Zwerggalaxien zumeist vom Typ dE sind. NGC 5846 bildet ein nicht wechselwirkendes Paar mit der elliptischen Galaxie NGC 5846A (PGC 53930, 12,4 mag), die 0,7 Bogenminuten entfernt ist. Wahrscheinlich wurde NGC 5846A durch Gezeitenkräfte abgetragen. Die Balkenspiralgalaxie NGC 5850 (10,8 mag) befindet sich nur zehn Bogenminuten von NGC 5846 entfernt und zeigt eine gestörte Morphologie. Diese ist auf eine enge Begegnung mit NGC 5846 vor 200 Millionen Jahren zurückzuführen. Denn die Filamente in NGC 5846 werden als Überreste solcher Wechselwirkungen interpretiert.
Die Galaxie besitzt einen leuchtschwachen, aktiven Galaxienkern vom LINER-Typ. Das bedeutet, dass ihr Kern ein Emissionsspektrum aufweist, das durch breite Linien schwach ionisierter Atome charakterisiert ist. Allerdings weist er auch Merkmale auf, die für Regionen mit ionisiertem Wasserstoffgas typisch sind. Als Quelle der Aktivität im Zentrum wird ein supermassereiches Schwarzes Loch mit einer Masse von 1,1 Milliarden Sonnenmassen vermutet. NGC 5846 beherbergt außerdem eine große Anzahl kugelförmiger Sternhaufen in ihrem Halo. Auf Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops konnten etwa 1.200 von ihnen nachgewiesen werden. Diese Dichte ist vergleichbar mit derjenigen, die in anderen großen elliptischen Galaxien beobachtet wird. Außerdem weist die Galaxie eine komplexe Röntgenmorphologie auf, die auf AGN-Ausflüsse aus dem galaktischen Kern zurückgeführt wird. In einer Entfernung von 600 Parsec vom Zentrum existieren zwei innere Blasen heißen Gases, die Radiostrahlung aussenden. Zahlreiche radiografische Knoten sind sichtbar, die auf Kühlungszonen hindeuten. Röntgenbilder zeigen zwei "Spiralarme", die nach Südosten und Südwesten ausgerichtet sind, sowie einen schwachen harten Röntgenkern, der mit einer Radioquelle übereinstimmt, die vom Very Large Array entdeckt wurde. H-Alpha-Beobachtungen belegen die Anwesenheit von warmem, ionisiertem Gas in einem Umkreis von zwei Kiloparsec um das Zentrum von NGC 5846, was ebenfalls auf einen AGN-Ausfluss hindeutet.
In einem 3 bis 4-Zoll Refraktor und mittlerer Vergrößerung erscheint die Galaxie lediglich als diffuser, runder Lichtfleck ohne weitere Details. Bei einer Öffnung von 5 bis 6-Zoll ist ein helleres Kerngebiet mit einem schwächeren, runden Halo sofort zu erkennen. Dieser erscheint zum Zentrum hin stark verdichtet und sternförmig. Wenn man den Blick abwendet, scheint die Galaxie zwischen zwei Sternen gefangen zu sein. Auch mit einer Öffnung von 8 bis 10-Zoll sind kaum weitere Details zu erkennen. Sie erscheint rund mit einem breiten, hellen Zentrum, das bei Vergrößerungen um das 120-Fache birnenförmig erscheint und sich im Süden zu einer leichten Konzentration verjüngt. Die Galaxie steht im hübschen Kontrast zu NGC 5850, die kleiner, deutlich diffuser und mit einer helleren zentralen Kondensation erscheint. NGC 5846A ist im südöstlichen Teil des Halos verborgen und erscheint als sehr kompaktes, sternförmiges Objekt.
Die Galaxie ist im Grenzgebiet der Sternbilder Jungfrau und Kopf der Schlange relativ leicht auffindbar. Sie steht knapp ein Grad südöstlich des 4,3 mag hellen Sterns 110 Virginis und nur drei Grad östlich des Kugelsternhaufens Messier 5. Wir stellen 109 Virginis (3,7 mag) in die Suchermitte ein und schwenken das Teleskop 3 ½ Grad nach Osten, bis 110 Virginis im Sucherfeld auftaucht. NGC 5846 sollte nun im selben Gesichtsfeld bei geringer Vergrößerung sichtbar werden.
NGC 5846 ist ein typisches Objekt des Frühlings- und Herbsthimmels und kulminiert Anfang Juni um 23:30 Uhr Sommerzeit in einer Höhe von 40 Grad über dem Südhorizont.
