Objekt des Monats - September 2014

Messier 72 im Wassermann



M72

Der Kugelsternhaufen Messier 72 im Sternbild Wassermann
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Der Kugelsternhaufen Messier 72 (NGC 6981) im Sternbild Wassermann wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. August 1780 von Pierre Méchain entdeckt. Charles Messier beobachtete den Sternhaufen am 4. Oktober 1780 und nahm ihn anschließend als Nummer 72 in seinen berühmten Nebelkatalog auf. Er beschrieb M 72 als schwachen und 2 Bogenminuten großen Nebel, der sich oberhalb vom Hals des Steinbocks befindet. Wilhelm Herschel war dann der erste Beobachter, der den Sternhaufen 1783 in einzelne Sterne auflösen konnte. Sein Sohn John Herschel beschrieb ihn schließlich als hellen und runden Haufen von Sternen.

Messier 72 gehört zu den schwächsten und unscheinbareren kugelförmigen Sternhaufen des Messier-Katalogs. Der Kugelsternhaufen der Konzentrationsklasse IX besitzt eine Helligkeit von 9,3 mag und befindet sich 55.400 Lichtjahre von der Erde entfernt, deutlich hinter dem galaktischen Zentrum. Mit einer scheinbaren Größe von 6 Bogensekunden, beträgt sein wahrer Durchmesser rund 106 Lichtjahre und seine Masse 168.000 Sonnenmassen. Im Laufe der Zeit wurden in M 72 rund 50 Veränderliche entdeckt, wobei 28 von ihnen zum Typ RR Lyrae gehören. Die hellsten Sterne des Haufens besitzten eine Helligkeit von 14,2 mag.

Der Kugelhaufen ist unter einem sehr dunklen und transparenten Landhimmel schon mit einem 10x50 Fernglas als schwacher runder Lichtfleck erkennbar. Mit einem 2 bis 4 Zoll Fernrohr und bei 40 bis 60-facher Vergrößerung, erscheint der Sternhaufen etwas heller und noch nicht aufgelöst. Die Helligkeit nimmt zur Mitte hin etwas zu. Erst mit 6 bis 8 Zoll Öffnung tauchen bei hoher Vergrößerung um 150-fach die ersten Sterne in den Randbereichen des Haufens auf. Das Zentrum erscheint etwas heller als der Randbereich. Mit 10 bis 12 Zoll Öffnung und 200-facher Vergrößerung taichen schließlich ein paar Dutzend Mitgliedssterne in den Randbereichen auf. Mit noch größerer Öffnung ist dann auch endlich das Zentrum des Kugelsternhaufens aufgelöst.
Nur 1,5 Grad östlich von M 72 befindet sich noch die Sterngruppe M 73. Diese Gruppe vereint, auf einem Durchmesser von nur 1 Bogenminute, vier Sterne 11. bis 12. Größenklasse.

Um Messier 72 im Wassermann aufzufinden, gehen wir vom hellen Stern Epsilon Aqr aus. In Richtung Nordosten befindet sich, rund 1 Grad von Epsilon entfernt, der 5 mag Stern My Aqr. Nun schwenken wir das Teleskop, von diesem Stern ausgehend, rund 3 ½ Grad in Richtung Süden. Wir stoßen nun auf ein gleichschenkliges Dreieck von Sternen 6. bis 7. Größenklasse. Nun sollte M 72 als schwacher Nebelball, 45 Bogenminuten südöstlich dieser Gruppe und östlich eines 9 mag hellen Sterns, schon im Sucherfernrohr erkennbar sein.

Messier 72 ist am besten in den Herbstmonaten sichtbar, wenn das Sternbild Wassermann im Süden kulminiert. Anfang September steht der Kugelhaufen gegen 22:00 Uhr Sommerzeit im Meridian und in einer Höhe von 25 Grad über dem Südhorizont.



Map

Aufsuchkarte für Messier 72 im Wassermann (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (69 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: M 72 / NGC 6981 / GCL 118
Objekttyp: Kugelsternhaufen (Globular Cluster)
Sternbild: Wassermann (Aquarius, Aqr)
RA (J2000.0): 20h 53m 27.9s
Dec (J2000.0): -12° 32' 11"
V Helligkeit: 9.2
Flächenhelligkeit: 12.0
Größe: 6.6'
Klassifikation: IX
Entfernung: 55.400 Lj

Beschreibung: pB,pL,R,gmCM,rrr
Notizen: 3 deg WSW of NGC 7009

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