Objekt des Monats - September 2009

NGC 6960, NGC 6992/6995 - Der Cirrusnebel



cirrus

Der Cirrusnebel NGC 6960, NGC 6992/6995 im Schwan
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Der Cirrusnebel im Schwan ist der größte Supernovaüberrest des nördlichen Himmels und gehört sicherlich auch zu den faszinierendsten und schönsten Deep Sky Objekten. Er wurde am 5. September 1784 von Wilhelm Herschel, mit seinem 18 Zoll Spiegelteleskop entdeckt. Herschel beschrieb die beiden Teile sehr treffend: "Der westlichen Teil ist 2° lang und ausgedehnt und verläuft durch 52 Cygni. Der östliche Teil ist ein verzweigter Nebel, der in mehrere Stränge geteilt ist und sich nach Süden wieder vereinigt".

Besonders an Orten mit leichter Lichtverschmutzung, ist der Nebel ein gutes Argument für die Anschaffung eines schmalbandigen Nebelfilters. Am stärksten leuchtet der Nebel Im Licht des zweifach ionisierten Sauerstoffs (O-III). Deshalb ist ein O-III Filter ab einer größeren Teleskopöffnung auch zu bevorzugen.
Der Supernovaüberrest besteht dabei im wesentlichen aus 2 Nebelgebieten und bietet in jedem Teleskop einen interessanten Anblick. Hier erstreckt sich über ein Areal von 2,5° x 3,5° Grad verteilt - was ungefähr dem sechsfachen Vollmonddurchmesser entspricht - zarte Vorhänge und Nebelfilamente. Die einzelnen Filamente tragen auch separate NGC-Nummern: NGC 6960 bildet dabei den westlichen und NGC 6992/6995 den östlichen Teil des Komplexes. Dabei befindet sich das Zentrum des Supernovaüberrest ungefähr bei 20h 51,1m Rektaszension und +31° 00' Deklination. 

Der Cirrusnebel ist mit 15.000 Jahren deutlich älter als sein berühmteres und kompakteres Pendant Messier 1 im Stier. Aus diesem Grund hat er sich schon sehr weit in den Raum hinein ausgedehnt. Eigentlich sieht man auch nicht die Überreste des Sterns selber, sondern die Schockfront, die bei der Supernovaexplosion entstanden ist und die interstellare Materie der Umgebung zum Leuchten anregt. Der Vorläuferstern war vermutlich ein B0-Stern von 15 Sonnenmassen und im Gegensatz zum Krebsnebel im Stier, hat man bis jetzt noch keinen Neutronenstern gefunden. Die Entfernung des Cirrusnebels ist deshalb auch ziemlich unsicher. Im Schnitt geht man davon aus, das der Nebel 1.800 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Seine Expansionsgeschwindigkeit hat sich von anfangs 10.000 auf 300 Kilometer pro Sekunde verlangsamt.

Mit einem schmalbandigen Linienfilter vom Typ UHC oder O-III ist der Cirrusnebel selbst für kleinere Teleskope ein überraschend einfaches und detailreiches Objekt. Der westliche Teil NGC 6960 wird auch als Sturmvogel bezeichnet und ist mit einem etwas größeren und lichtstarken Fernglas sichtbar. Mit einem Refraktor von 3 bis 4 Zoll Öffnung und niedriger Vergrößerung erkennt man einen deutlich länglichen Nebel, der außerordentliche scharfe und helle Ränder besitzt. Allerdings überstrahlt der Stern 52 Cygni stellenweise die zarten Nebelfilamente. Deshalb sollte hier auf jeden Fall auf einen UHC-Filter zurückgegriffen werden.Mit einem Sechszöller nimmt die Anzahl der Nebelfilamente deutlich zu. Ab hier ist auch ein O-III Filter empfehlenswert, der den Kontrast zum Hintergrund sogar noch etwas steigern kann. Dabei ist der rund 20' lange Abschnitt nördlich von 52 Cyg, deutlich heller als der südliche. Ab 10 bis 12 Zoll Öffnung ist der Eindruck von NGC 6960 vergleichbar wie auf guten Astrofotos.

Der östliche und leicht gebogene NGC 6992/6995 ist unter einem dunklen Landhimmel bereits mit einem 10x50 Fernglas als geisterhaftes Leuchten sichtbar. Besser ist natürlich ein Teleskop mit einem niedrig vergrößernden Weitwinkelokular. Durch das größere Gesichtsfeld und die größere Austrittspupille, kann die Flächenhelligkeit des Nebels voll ausgeschöpft werden. Mit einem Teleskop von 2 bis 4 Zoll Öffnung erscheint NGC 6992/6995 als matter Lichtstreifen. Mit einem Sechszöller wirkt er dann auffällig strukturiert, mit zahlreichen Nebelfilamenten, die sogar noch etwas auffälliger sind als die von NGC 6960. Südlich davon taucht dann noch IC 1340, als etwas schwächeres und kammartiges Nebelgebiet, auf.

Zwischen diesen beiden hellen Nebelbögen befindet sich dann noch ein dreieckförmiges, etwa 45' x 15' großes und weitaus schwächeres Filament, welches als "Pickering's Triangular Wisp" bezeichnet wird. Um ihn aufzusuchen schwenkt man Teleskop, von der nördlichen Spitze des Sturmvogels ausgehend, rund 1 Grad nach Nordosten. Im Okular erscheint dann ein keilförmiger und feinfaseriger Nebel, der sich weiter nach Süden hin fortsetzt. Bei diesem Nebelteil ist - eine dunkle und transparente Nacht vorausgesetzt - auf jeden Fall ein O-III Filter und mindestens 20 cm Teleskopöffnung erforderlich. Denn ohne Nebelfilter ist dieses schwache, aber überaus interessante Areal praktisch nicht zu erkennen.

Der Cirrusnebel befindet sich unterhalb der östlichen Schwinge des Schwans und in dem Dreieck, welches aus Zeta, Epsilon und 52 Cygni gebildet wird. NGC 6960 ist relativ leicht aufzufinden, wenn man den Stern 52 Cyg genau in die Suchermitte einstellt. Nun sollte mit einem niedrig vergrößernden Okular ein geisterhafter und dünner Schleier auftauchen, der sich hinter 52 Cyg entlang zieht. Verwendet man einen Schmalbandfilter, springt der Nebel sofort ins Auge.
NGC 6992 steht 2,5° östlich von NGC 6960. Um ihn aufzufinden lässt man am besten den Nebelfilter im Okular, stellt den nördlichen Ausläufer von NGC 6960 ein und schwenkt anschließend nach Osten, bis NGC 6992 ins Gesichtsfeld kommt. Um ganz sicher zu gehen, kann man natürlich auch NGC 6960 eingestellt lassen und warten, bis nach ungefähr 9 Minuten die Erddrehung den anderen Nebelteil ins Okulargesichtsfeld gebracht hat.

Der Cirrusnebel kulminiert in einer Höhe von rund 70° Mitte August um Mitternacht.



Map

Aufsuchkarte des Cirrusnebel im Schwan (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (137 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: NGC 6960 / LBN 191
Eigenname: Veil nebula / Cirrusnebel (westlicher Teil)
Objekttyp: Supernovaüberrest (Supernova remnant)
Sternbild: Schwan (Cyg)
RA (J2000.0): 20h 45m 42.0s
Dec (J2000.0): +30° 43' 00"
B Helligkeit: 7.0
Größe: 70.0' x 6.0'
Klassifikation: SNR
Entfernung: 1800 Lj

Beschreibung: pB,cL,eiF,Kappa Cyg invl
Notizen: H V 15; Veil Nebula western part;* 52 CYG invl

Millennium Star Atlas: Charts 1169-1170 (Vol III)
Sky Atlas 2000.0: Chart 9
Uranometria 2000: Chart 120, Vol 1
Uranometria 2000 (neu): Chart 65, Vol 1

OBJEKT-INFORMATION

Name: NGC 6992 & 6995 / CED 182B & CED 182C
Eigenname: Veil nebula / Cirrusnebel (östlicher Teil)
Objekttyp: Supernovaüberrest (Supernova remnant)
Sternbild: Schwan (Cyg)
RA (J2000.0): 20h 56m 24.0s / 20h 57m 06.0s
Dec (J2000.0): +30° 43' 00" / +31° 13' 00"
B Helligkeit: 7.0
Größe: 60.0' x 8.0' / 12.0' x 12.0'
Klassifikation: SNR
Entfernung: 1800 Lj

Beschreibung: !!,eF,eL,eE,eiF,bifurcated / F,eL,neb&st in groups
Notizen: H V 14; Veil Nebula eastern part

Millennium Star Atlas: Charts 1169-1170 (Vol III)
Sky Atlas 2000.0: Chart 9
Uranometria 2000: Chart 120, Vol 1
Uranometria 2000 (neu): Chart 65, Vol 1