Objekt des Monats - August 2023

Messier 55 im Schützen



M55

Der Kugelsternhaufen Messier 55 im Sternbild Schütze
© STScI Digitized Sky Survey (DSS)



Messier 55 (NGC 6809) ist ein heller Kugelsternhaufen im südlichen Teil des Sternbilds Schütze (Sagittarius). Er wurde am 16. Juni 1752 von dem französischen Astronomen Abbé Nicolas Louis de Lacaille entdeckt, als er sich am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika aufhielt, um den südlichen Sternenhimmel zu kartografieren. Er beschrieb ihn als „schattigen Kern eines großen Kometen“. Der französische Astronom Charles Messier unternahm ab dem Jahr 1754 mehrere Versuche, den Sternhaufen von Paris aus zu finden. Dies gelang ihn aber erst am 24. Juli 1778. Er beschrieb ihn als gleichmäßig weißen Lichtfleck ohne Sterne. Eine Auflösung in einzelne Sterne gelang erst im Jahr 1783 durch Wilhelm Herschel. Mit seinem 20 Fuß Teleskop bemerkte er über 250 Einzelsterne. Im englischen Sprachraum ist der Kugelsternhaufen auch als „Summer Rose Star“ bekannt.

Messier 55 ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 6,7 mag und einer Größe von 19 Bogenminuten bereits in Ferngläsern auffindbar. Leider ist der Sternhaufen, aufgrund seiner südlichen Position am Himmel, von Mitteleuropa aus schwer zu finden und gilt als Herausforderung. Der Kugelsternhaufen ist zwar groß und relativ hell, ihm fehlt aber ein dichter Kern und helle Mitgliedssterne. Die hellsten von ihnen erreichen die 11. bis 12. Größenklassen. M 55 ist nur wenig zum Zentrum hin konzentriert (Konzentrationsklasse XI) und nach M 4 und M 22 der am leichtesten aufzulösende Kugelsternhaufen. Seine Entfernung beträgt 17.600 Lichtjahre. Rund 100.000 Sonnen konzentrieren sich auf ein Gebiet von 94 Lichtjahren Durchmesser. Damit gehört M 55 zu den größeren Exemplaren im Halo unserer Milchstraße. Seine Gesamtmasse wird auf 269.000 Sonnenmassen geschätzt. Wie die anderen Kugelsternhaufen der Milchstraße, enthalten seine Mitgliedssterne nur sehr wenige schwerere Elemente als Wasserstoff und Helium. Das wird in der Astrophysik als Metallizität bezeichnet. Der Sternhaufen enthält nur 1,1% des Metallgehalts im Vergleich zu unserer Sonne, so das er auch zu den metallärmsten Kugelsternhaufen unserer Galaxis zählt. Sein Alter wird mit 12,3 Milliarden Jahre angegeben. Im Laufe der Jahre wurden im Zentrum des Kugelsternhaufen 42 veränderliche Sterne gefunden: 15 RR-Lyrae-Sterne, 24-SX Phoenicis-Sterne sowie 3 Bedeckungsveränderliche. Des Weiteren enthält M 55 enthält eine ungewöhnlich hohe Anzahl an blauen Nachzüglern, die aufgrund von Wechselwirkungen oder Verschmelzungen mit ihren Nachbarn entstanden sind. Insgesamt wurden in dem Haufen 74 Blue-Stragglers identifiziert.

Der Sternhaufen steht mit einer Deklination von -30° bereits sehr weit im Süden und erreicht von Mitteleuropa aus nur eine sehr geringe Höhe über dem Südhorizont. Dementsprechend stark wird M 55 vom Dunst der Atmosphäre getrübt. Vom Mittelmeerraum, den Kanarischen Inseln oder von Namibia aus ist der Sternhaufen bereits sehr einfach im 7x50 bzw. 10x50 Feldstecher zu sehen. Er erscheint als kreisrunder diffuser Lichtfleck. Von Mitteleuropa aus benötigt man für die Sichtung mit dem Fernglas sehr gute Beobachtungsbedingungen. Denn der Kugelsternhaufen besitzt nur eine sehr geringe Flächenhelligkeit. Unter einem dunklen Landhimmel erscheint der Sternhaufen eher wie ein Komet, mit kreisrunder Koma. Refraktoren von 3 bis 4 Zoll Öffnung zeigen ihn in Mitteleuropa ebenfalls nur als schwächeren Nebelfleck und nur mäßig zum Zentrum hin heller werdend. Von südlicheren Gefilden erscheint der Sternhaufen bereits körnig, mit nebligen Hintergrund und bei hoher Vergrößerung bereits gut aufgelöst. Mit 6 bis 8 Zoll Öffnung ist M 55 bereits in hundert Sterne aufzulösen. Der Sternhaufen verträgt auch höhere Vergrößerungen um 120-fach sehr gut. Der Zentralbereich bleibt auch weiterhin wenig konzentriert. In Teleskopen ab 10 bis 12 Zoll Öffnung ergibt sich ein herrlicher Anblick. Der Sternhaufen erscheint nun sehr groß. Bei mittleren bis hohen Vergrößerungen sind mehrere hundert Einzelsterne erkennbar, die sich auf einen Gebiet von 2/3 des Vollmonddurchmesser konzentrieren. Der Zentralbereich des Haufens erscheint fast nicht konzentriert, ähnlich wie ein reicher offener Haufen.

Messier 55 ist nicht leicht zu finden. Er steht im östlichen Teil des Sternbild Sagittarius, nahe an der Grenze zu den Sternbilder Capricornus und Microscopium, etwa 7 Grad südöstlich des 2,6 mag hellen Sterns Ascella (Zeta Sagittarii). Wir beginnen beim Aufsuchen mit dem Teekannen-Asterismus des Sternbilds Schütze. Wenn wir die Sterne Ascella und Kaus Media (Delta Sgr, 2,7 mag) lokalisiert haben, verlängern wir die Strecke zwischen diesen beiden Sternen in Richtung Osten. Dort treffen wir auf ein Sternenpaar der 6. Größenklasse. Der Sternhaufen befindet sich 3 Grad südöstlich des helleren Sterns.

Aufgrund seiner südlichen Lage kommt M 55 von Mitteleuropa aus nicht sehr hoch über dem Horizont und ist am besten in den Sommermonaten beobachtbar. Anfang August steht der Kugelsternhaufen um 23 Uhr Sommerzeit im Meridian und erreicht eine Höhe von gerade einmal 7 Grad über dem Südhorizont. In Namibia steht der Sternhaufen bei seiner Kulmination dagegen im Zenit.



Map

Aufsuchkarte für Messier 55 im Schützen (Sterne bis 11 mag)

Download: Telrad- und Aufsuchkarte PDF-Datei (121 KB)
OBJEKT-INFORMATION

Name: M 55 / NGC 6809 / GCL 113 / ESO 460-SC21
Objekttyp: Kugelsternhaufen (Globular Cluster)
Sternbild: Schütze (Sagittarius, Sgr)
RA (J2000.0): 19h 39m 59.4s
Dec (J2000.0): -30° 57' 42"
V Helligkeit: 6.3
Flächenhelligkeit: 13.0
Größe: 19.0'
Klassifikation: XI
Entfernung: 17.600 Lj

Beschreibung: pB,L,R,vRi,vgbM
Notizen: * mags 15...

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